Im Sűdwesten ist Uruguay ein Land endloser sanfter Hügellandschaften. Selten knackt man mal die 80 oder 100m, aber dafür reiht sich ein kleiner Hügel nach dem anderen ein. Die Landschaft bot auf meiner Strecke nur wenig Abwechslung, viel Land- und Forstwirtschaft. Unzählige Monokulturen aus Eukalyptusbäumen, die bei sanfter warmer Brise ihren typischen Duft verbreiten. Auf den Feldern wächst und gedeiht es, vieles steht in seiner Blütenpracht, die perfekte Zeit um Colonia del Sacramento zu besuchen, dem Ausgangspunkt meiner kleinen Durchreise.
Für den Frühling ist es außerordentlich warm, der recht flotte Wind aus Süden, lässt den zusätzlich notwendigen Sonnenschutz vergessen, was prompt bestraft wird. Das Wort Siesta bekommt dadurch eine völlig neue Bedeutung.
Die Menschen sind ziemlich relaxed (liegt das am Marihuana?), aufgeschlossen, hilfsbereit und interessiert, ohne aufdringlich zu sein. Ich durfte immerhin zweimal auf privatem Grund campen. Wildcampen ist schwierig, aber nicht gänzlich unmöglich. Das liegt daran, daß gefühlte 85% Uruguays eingezäunt wurde und sich in irgendeiner privaten Hand befindet. Die Straßen sind also isolierte Korridore, zwangsläufig muss man irgendwo fragen oder steigt dreist über den Zaun (schwierig mit Fahrrad, gelle?). Zwar kann jederzeit am Wegesrand ein Zelt aufgeschlagen werden (ist auch jedem Uruguayer total wumpe), allerdings ist der Verkehr sehr laut und erschwert die nächtliche Ruhe. Wildcamping direkt am Rio Uruguay bzw. Rio Negro ist außerdem aufgrund der regelmäßigen Überschwemmungen und des Sumpflandes schwierig.
Der Verkehrt wird hauptsächlich durch die Land- und Forstwirtschaft als auch die beiden Grenzübergänge nach Argentinien bedingt. Viele schwere Lastwagen u. a. beladen mit Eukalyptusholz, sind unterwegs. Allerdings herrscht hier weniger Verkehr als auf argentinischer Seite. Auf Radfahrer wird tatsächlich Rücksicht genommen, was kaum zu glauben ist. Außerdem hat fast jede Straße einen Standstreifen, auf den ausgewichen werden kann. Die Qualität des Straßenbelags korreliert stark mit der wirtschaftlichen Priorität. Schlaglöcher und Schotter sind für den Weg nach Hintertupfingen. Ab und an gibt es diese tollen Bushaltestellen, sauber, überdacht und windgeschützt, luden sie mich doch immer auf eine Kaffeepause ein. Verkehrsunfälle passieren häufig, zumindest kann es oft daran liegen, daß zum Teil wortwörtlich fahrende Schrotthaufen unterwegs sind.
Was besonders beeindruckt? Der Vogelreichtum, jeder Ornithologe hätte seine wahre Freude. Der intensive Vogelgesang ist etwas, was einem in Südamerika sofort auffällt.