Vom Pre Delta Nationalpark ging es schleppend mit viel Gegenwind über die hügelige RP11 nach Paraná, dort gab es keine Brücke, sondern nur einen Tunnel, der zudem für Fahrräder nicht passierbar ist. Aber Dank des Abschleppdienstes vom Subflavial-Tunnel, konnte ich ohne Probleme übersetzen und mich anschließend durch Santa Fe’s wuseligen Verkehr durcharbeiten. Stetiges Stop and Go, incl. dem unfreiwilligen Inhalieren von Bremsbelägen und Abgasen. Schließlich entschied ich mich eher intuitiv für den RN 19 Highway, der im Endeffekt eine sehr gute Wahl war (Mautstraße, mit breitem Seitenstreifen und relativ wenig Verkehr), abgesehen von den aufgesprühten Mahnmalen totgefahrener Fahrradfahrer).
Die Ebene südlich der Laguna Mar Chiquita ist relativ flach, mit einer nur unmerklichen Steigung, alles ziemlich gut zu fahren. Leider bietet die Landschaft nur wenig Abwechslung, aber man kann beobachten, daß es wesentlich trockener wird. Sonst das Übliche: Den Rindern beim Grasen zusehen. In San Jeronimo del Sauce (was für ein Name!) konnte ich Dank Carlos (einem ansässigen Musiklehrer), auf dem städtischen Sport- und Freizeitbereich nächtigen. Hier hatte ich auch einen Hund als Gesellen, der mich (die Futterquelle), gegen einige Häppchen Entlohnung beschützte.
Kurz vor San Francisco, bog ich nach Südwesten ab, verließ somit den RN 19 und schlug mein Lager in Colonia Prosperidad auf. Am nächsten Tag, ging es über Villa del Rosario und Costasacate Richtung Alta Garcia. In Costasacate marschierte ich blindlings in die örtliche Schule, um höflichst zu fragen, ob es einen Fleck im Ort gäbe, wo ich mein Zeltchen für eine Nacht aufschlagen könnte. Mehr brauche ich ja eigentlich nicht. Die Kinder (es war wohl gerade Pause) waren erstaunt, erfreut und überrascht, daß ein Deutscher auf dem Fahrrad einfach mal so auftaucht um guten Tag zu sagen. Vanesa, eine Lehrerin, die zudem hervorragend Englisch sprach, konnte mir weiterhelfen und schaltete Oswaldo ein, einem freiwilligen Feuerwehrmann und für das Dorf tätigen Angestellten. Tja und dann wurde ich offiziell Willkommen geheißen, hatte ein Dach über den Kopf, gutes Essen, gute Gesellschaft und es wurde alles getan, damit es mir gut erging. Nochmals Danke, einfach tolle Menschen! Des Weiteren lernte ich die argentinische Erfindung und Spezialität „Dulce de Leche“ kennen, einfach nur lecker!
In Alta Garcia durchstreifte ich die Stadt, nahm mir die Zeit um alles anzuschauen, vor allem beeindruckte mich das kleine Museum Casa del „Che“ Guevara. Wer hätte gedacht, das Che Guevara mit dem Fahrrad einen nicht unerheblichen Teil Argentiniens bereist hat (okay es hatte einen kleinen Hilfsmotor, aber trotzdem beeindruckend).
Dann über den Berg Santa Rita gehüpft und am Stausee Embalse Los Molinos entlang nach Villa General Belgrano. Was ich von Villa Belgrano halten soll, nunja, die Avenida San Martin als Deutscher entlang zu radeln hat schon etwas Durchhaltevermögen abgefordert (alles ziemlich zuviel, der deutsche Kitsch brennt irgendwann in den Augen und Ohren – am Ende der Straße gibt es ein Restaurant, das unablässig und in Endlosschleife deutsche Heimatschnulzen dudelt), aber die Argentinier fahren voll darauf ab! Entgegen vieler Reiseführer, wird, wie auch in La Cumbrecita, noch viel Deutsch gesprochen. In La Cumbrecita (toller Ort, die schönere Villa General Belgrano Variante) lernte ich noch Susanne und Ricardo kennen, die mir ein paar meiner letzten Euros gegen Pesos tauschten und mich prompt bei sich zu Hause einluden, was für ein Glück!
Die letzte Station war der wunderschöne Nationalpark Quebrada del Condorito auf knapp 1900m Höhe. Auf dem Weg dorthin verfolgte mich schon ein großes Gewitter (geht hier blitzschnell, das sich etwas zusammen braut). Schließlich holte es mich ein, gerade kurz vor dem Aufstieg. Eine Kurve später kam mir, welch Zufall, das letzte Restaurant auf der Strecke entgegen. Tja, dann folgte zwei Stunden lang ein heftiges Gewitter mit Starkregen und ich saß währenddessen im Trockenen und aß in aller Ruhe zu Mittag. Als der Regen nachlies, radelte ich hoch auf den Gipfel zum Nationalpark, wo schon wieder die Sonne schien (wieder Schwein gehabt) .
