Zum nächsten Nationalpark (Parque Nacional Sierra de Las Quijadas), der zwischen zwei quasi Wüstenabschnitten lag, ging es nur sehr beschwerlich voran. Da mir im Infocenter in San Luis bereits mitgeteilt wurde, dass zwischen San Luis und Nationalpark nichts mehr kommt (also kein Laden, Kiosko oder sonst was), deckte ich mich vorsorglich mit 10 l Wasser und genug Essen für 3 Tage ein. Das Wasser im Nationalpark sei außerdem verunreinigt (Das Wasser wird per Aqueduct von San Luis heran gepumpt). Voll gepackt und schwer wie ein Packesel ging es bei ca. 30 Grad, viel Sonne, Gegenwind und einer leichten Steigung Richtung Nationalpark. Unterwegs kamen aber noch genug Gelegenheiten um Proviant und Wasser zu bekommen, allerdings zu gesalzen Preisen. Ich musste oft pausieren, immerhin gab es hin und wieder Bäume für den Schatten. Etliche frei umher laufende Ziegenherden, die oftmals dem Verkehr gar nicht ausweichen wollten und frech die Straße blockierten, sorgten immerhin für eine gewisse Unterhaltung.
Als ich völlig entkräftet ankam, zahlte ich brav die Gebühr von rund 300 Pesos (Camping kostet nichts, ist eine einmalige Eintrittsgebühr) an einen sehr freundlichen Ranger und durfte mein Campingquartier beziehen. Der Campingplatz war wunderschön, es gab sogar einen Kiosko in der Nähe. Einziger Haken: Mosquitos und vieeeele Krabbeltiere. Die Mosquitos waren (obwohl sie mich trotzdem verstachen und zwar nach Strich und Faden), weniger das Problem. Als die Dämmerung herein brach, ging es los (wirklich wie auf Knopfdruck). Alles was bis zu acht Beine oder zwei Flügel hatte kam heraus (Falter, Wanzen, Spinnen, Käfer…). Zu erwähnen sind vor allem die bis zu drei Zentimeter großen, blutsaugenden und schnell wie eine Kakerlake laufenden Raubwanzen (da lag ich, Gott sei Dank, schon im Zelt). Die waren im Sand eingegraben, genau dort wo ich mein Zelt stehen hatte. So krabbelte alles wie wild zwischen Innen und Außenzelt hin und her. Die Wanzen suchten verzweifelt nach einem Eingang und ich versicherte mich dreimal, dass jeder Reißverschluss auch wirklich zu war. Am nächsten Morgen war wieder Ruhe eingekehrt. Eine Tasche im Außenzelt hatte ich aus Versehen offen gelassen und diese war, nach Kontrolle prompt voller Wanzen (die wollten wohl mit). Des Weiteren waren in meinen frisch gewaschen Socken, die ich noch am Abend zuvor aufgehangen hatte, jeweils eine fette Wanderspinne.
Nach diesen Erfahrungen ging ich erst einmal den Park erkunden und wanderte bei brütender Hitze viele schöne Trails. Ich konnte Guanacos, Maras, Geier, Eidechsen, Füchse, eine Schlange und sogar einen Kondor entdecken. Als ich zurück kam, waren weitere Maras zu sehen, die hatten sich bereits an meinem Müllbeutel zu schaffen gemacht, nach Essbaren durchstöbert und so alles auf dem Boden verteilt.
Für den ganzen Tag waren schon schwere Gewitter vorausgesagt worden, aber erst gegen den späten Abend, als es bereits dunkel war, konnte man in der Ferne ein gigantisches Blitzlichtgewitter näherkommen sehen. Wie ein Artillerie Dauerbombardement – so etwas hatte ich noch nicht gesehen. Um 1 Uhr nachts ging es dann los mit Starkregen, Blitz und Donner. Da mein Zelt direkt unter einem Baum lag, verdrückte ich mich auf das nächstgelegene Scheißhaus, da es über einen Blitzableiter verfügte. Fast eine Stunde stand ich da bei offener Türe, bis es schließlich einigermaßen aufgehört hatte zu regnen und der Zeltplatz hoffnungslos unter Wasser stand.
Da hatte ich genug und beschloß, am nächsten Tag über Encón nach Caucete zu radeln. Die Strecke lag zwischen der Pampa de las Salinas und der Pampa Salado. Zwischen dem Nationalpark und Encón war wirklich nichts, kein Haus, 95 km nur Wüste und Prärie. Überall waren immer wieder weiße Salzablagerungen bzw. Verkrustungen und kleine Sanddünen zu sehen (alles in allem eine ziemlich triste Ödnis).
In Caucete campte ich auf dem städtischen Campingplatz, nicht gerade einladend aber umsonst. Die Vororte um San Juan, incl. Caucete stimmen einen nachdenklich. Beinahe jedes Fenster und jede Türe ist vergittert. Läden kann man meist nicht betreten, sondern muss durch Scheibe oder Gitter sagen was man möchte. Eine hohe Kriminalitätsrate macht dies wohl nötig. Die Umweltverschmutzung nimmt um San Juan auch unglaubliche Ausmaße an, viele wilde Müllkippen und nichtgeklärte Abwässer, dass es nur so zum Himmel stinkt. Auch durch San Juan bin ich nur schnell durchgeflitzt und habe nicht viel Zeit verbracht, weil ich mich da nun wirklich nicht wohl fühlte.
