El alemán.

Reisen, Impressionen, Reflexionen

Argentinien, Von San Juan nach Barreal

San Juan hinauszufahren, war kein großer Akt. Die Ringstraße im Uhrzeigersinn folgen und dann irgendwann links abbiegen, auf die legendäre Routa 40. Auf der Routa 40 war zuerst Baustelle, dann Stop and Go durch die Schul- und Reisebusse, vorbei an vergitterten Kioskos, ärmeren Vororten, kleinen Slum-Siedlungen, einem einsam da stehenden Salamiverkäufer, einem Industriegebiet, einer Rennstrecke, wilden Müllkippen und zwei recht großen Sibelco Minen.

Dann ging es langsam und beschwerlich den ollen Hügel hinauf, viele Laster mit ihrem staubigen Abraum, links und rechts wieder nur Zäune und keine Schokolade zur Hand. Und wie es so langsam den Hügel hinauf ging, ging es langsam mit meiner Stimmung bergab. Ich hatte irgendwie genug und wollte am liebsten alles hinwerfen und in ein anderes Land reisen und schrie lauthals meinen Ärger hinaus. Irgendwann kommt immer so eine Phase, aber man fängt sich wieder, lacht und schwört sich innig, am nächsten Kiosko Schokolade zu besorgen.

Was dazu beigetragen hat, daß es mir wieder besser ging, waren im Wesentlichen zwei Dinge. Einerseits die schöne Landschaft, auf die ich blicken konnte, als ich es über den Hügel schaffte und andererseits das Wunder, dass es links und rechts auf einmal keine Zäune mehr gab. Es blühte farbenfroh und die Sierra de Talacasto türmte sich am Horizont auf, wie eine gewaltige blaue Welle.

Während ich mich wieder gefangen hatte und so die Straße entlang fuhr, begegneten sie mir wieder, diese kleinen seltsamen Nagetiere. Ich dachte zuerst, es wären Ratten. Aber sie hoppelten wie Eichhörnchen umher und hatten einen kurzen Schwanz. Mutierte Wüstenmeerschweinchen! Erst im Nationalpark Leoncito erfuhr ich, daß diese äußerst scheuen Tierchen Cuis heißen und in Erdlöchern wohnen.

An der Abzweigung zur 436, folgte ein letzter Kiosko in Talacasto (eigentlich bestand der Ort nur aus Ruinen und eben diesem Kiosko), der sogar noch Schokolade im Sortiment hatte! Gerettet. Auf der Routa waren insgesamt viele verlassene Orte und Ruinen, meist bepinselt mit alter Werbung für den Wahlkampf. Des Weiteren sind einige Orte zwar auf Karten und Google verzeichnet, aber in Wahrheit ist da rein gar nichts oder es sind nur verlassene Gebäude bzw. Hütten vorzufinden. Das Wasser wird dann bald knapp, denn Flüsse gibt es kaum, sie sind alle ausgetrocknet und führen nur nach ausgiebigen Regen Wasser. Autofahrer haben auch I.d.R. Immer eine Flasche Wasser im Auto (im Notfall kann man jemanden anhalten und nach Wasser fragen, falls jemand vorbei kommt).

Vollbepackt mit Proviant und Wasser bewältigte ich noch einen Teil des Anstiegs bis zur Kreuzung auf den 149 (immerhin schon wieder auf 1600 m). Da fing es auch schon zu nieseln an und ich konnte mir einfach irgendwo ein Plätzchen aussuchen. Prima! Nachts war es trotz Regen / Bewölkung bitterkalt und auch am Morgen war es nicht besser geworden, so packte ich schnell alles zusammen und fuhr weiter hinauf, bis schließlich oben angekommen, es aufklarte und die Sonne langsam herauskam.

Der Abstieg bis zum Rio San Juan war fabelhaft. Eine wirklich gute Straße führte hinunter und ich erreichte einen guten Speed, der Fahrtwind war aber jenseits von saukalt! Unten angekommen, wurde die Brücke überquert und Richtung Calingasta gefahren, am Horizont zeigten sich schon die schneebedeckten Berge der südlichen Zentralanden.

In Calingasta angekommen, spürte ich schon einen neuen, unangenehmen Begleiter: Den sogenannten „Zonda“, ein sehr starker Westwind. Da machte ich mir vorerst nichts draus, denn ich fuhr erst einmal nach Süden, wurde also nur von der Seite angeblasen. Es ging über Barreal zum Nationalpark El Leoncito, dort wartete ich vergeblich auf den Puma und die eigentlich in der Pampa Leoncito umher fahrenden Strandsegler. Dafür besuchte ich das Observatorium, wanderte und erledigte den üblichen Kram (Wäsche waschen, Wartung des Fahrrad, etc.). Der Nationalpark verfügte über einen kostenlosen Campingplatz, der top ausgestattet war (sogar mit heißer Dusche!), aber leider verseucht mit DEET resistenten Sandfliegen. Immerhin blies der Zonda noch recht kräftig und die Sandfliegen mussten ihre Kräfte schonen.

 

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