El alemán.

Reisen, Impressionen, Reflexionen

Argentinien, Cañón del Atuel

Wo waren wir stehen geblieben? Achja Mendoza. Schon von den Caracoles Casa De Piedra konnte ich auf die nördlichen Außenbezirke der Stadt schauen. Ich fuhr also vollends runter, weiter den Camino las Lajas entlang und wurde als erstes von einer stinkenden Müllkippe empfangen, die sich links und rechts der Straße auftürmte (welch Kontrast). Von den Außenbezirken wurde ich noch am Vortag gewarnt, „fahr lieber schnell durch bis ins Zentrum“ hieß es. Aber in La Cieneguita und Las Heras hatte ich ein sicheres Gefühl und ich frühstückte erstmal meine drei Facturas. Beim argentinischem Bäcker gibt’s in der Regel schon eine große Auswahl an süßen Stückchen, vor allem Puddingtaschen, Croissants, kleine Küchlein, Hörnchen und Kekse etc. und fast alles gefüllt mit Dulce de Leche. Da vermisse ich schon einmal die deutsche Nuss-Nougat Creme oder Schokoladenfüllung. Es ist alles auch einen Tick weniger süß als bei uns zu Hause.

Im Zentrum war kaum etwas los, denn es war Sonntag und dazu noch Feiertag. Das am Sonntag ein Feiertag war, merkte ich erst am darauffolgenden Montag. Denn hier in Argentinien werden Feiertage, falls sie aufs Wochenende fallen, nachgeholt (da stand ich vor geschlossener Bank in Tunuyán und wunderte mich). Also streifte ich ein wenig durch die Innenstadt und blieb in einem der kleineren Parks hängen. Dort gab es eine Darbietung des sog. Tanzes der Weinlese, der für eine Weile meine Aufmerksamkeit erregte. Nach der Darbietung und einem Mittagessen im Restaurant (es gab klassische Milanesa mit Salat) ging es wieder raus aus der Stadt (war ja fast alles zu). Vorher bekam mein Fahrrad noch eine notwendige Dusche und Inspektion. Ich fuhr raus bis nach Ugarteche, da war gerade Markt / Flohmarkt und deckte mich wieder mit Essen und Wasser ein. Dannach wieder Nachtlager suchen, entlang der RN 40, schwierige Sache. Aber ich fand in der Nähe der Gebetsstätte „Santuario Cruz Negra“ einen Hügel, der genau zwischen beiden Fahrbahnen der RN40 lag und campierte unverschämter Weise einfach oben drauf.

Am nächsten Tag traf ich einen österreichischen Tourenfahrer in Tunuyán, der sogar noch schwerer beladen war als ich. Es folgte das übliche obligatorische Pallaver unter Tourenfahrer, z. B. „wohin gehts? „, „fährst allein? „, „Probleme gehabt?“ usw. Er fährt schließlich auch nach Süden, aber in einer eher gradlinigeren Route und etwas langsamer (schließlich war er auch schon um die 60). Schließlich trennten sich bald unsere Wege und ich bog ab und radelte durch bis nach San Rafael. Schließlich wollte ich den Canon del Atuel sehen, ehe ich auf die RN40 zurückkehrte.

In San Rafael angekommen, war ich ziemlich verdutzt, als ich feststellen musste, daß es wohl keinen Campingplatz gibt. Ich sehnte mich ja nach einer Dusche und wollte auch mal meine Wäsche waschen. Deshalb verzichtete ich auf das Wildcampen außerhalb der Stadt und fuhr in die ersten Außenbezirke, in der leichtsinnigen Annahme, daß mir schon was entgegen kommt. Naja da kam nix und ich war zudem ziemlich fertig und müde, also fragte ich ein Ehepaar, das gerade auf ihrem Gartengrundstück fleißig zu Gange war, ob sie mir weiterhelfen könnte. Tja, wirklich kein Campingplatz in San Rafael, aber ein Apartment im Haus von Carlos und Silvia (so hießen die beiden) wurde mir angeboten und ich nahm natürlich dankend an. Wir luden mein Fahrrad auf das Auto und fuhren das Stück bis zu ihrem Haus, wo ihr Sohn Gonzalo schon wartete. Mit Gonzalo hatte ich auf englisch noch per Telefon gesprochen (man wollte sichergehen, dass ich alles verstanden hatte). Gonzalo in seiner liebenswürdig und höflichen Art, fungierte als perfekter Dolmetscher, vor allem wenn Hände und Füße nicht mehr ausreichten oder der Translator streikte.

Ich verbrachte zwei wunderbar erholsame Tage im Appartement, dass direkt neben dem Haus lag. Es waren tolle Gastgeber, kein Wunsch blieb unerfüllt und ich fühlte mich wie zu Hause. Ich lernte von allem etwas mehr z. B. über Mate Trinken (endlich kaufte ich mir auch ein eigenes Mate-Set, nachdem ich angefixt wurde), Sprache (z. B. Schimpfwörter, schließlich sollte man wissen, ob man beschimpft wird), Essen und Trinken (Wein, Bier… Carlos machte sogar extra noch einen Asado argentino, hmmm lecker!), Kultur (was man beachten sollte, wenn Boca Juniors – der beste Verein der Welt – gegen River plate spielt, als Unbeteiligter nämlich ein ruhiges Plätzchen suchen – beim Fußball kochen Emotionen schnell über) und vieles, vieles mehr. Aber schließlich muss man mal wieder aufs Fahrrad, sonst kommt man noch ganz aus der Form und überhaupt. Felipe (ihr Hund), guckte zwar etwas traurig, aber ich musste weiter! Nochmals großes Dankeschön!

Von San Rafael ging es den Rio Atuel entlang Richtung Süden. Ich durchfuhr praktisch den Canon del Atuel, in den sich der Fluss über die Zeit gegraben hat, bis nach El Nihuil. Am Beginn ist die Straße sehr touristisch durchseucht mit Rafting und allerlei Adventure bzw. Erlebnisurlaub (ich konnte immerhin meine Füße kurz ins Wasser reinhängen). In der Mitte kommen dann die Stauseen und Wasserkraftwerke. Erst am Ende, als die Straße längst nicht mehr asphaltiert war, wurde es landschaftlich sehr schön und eindrucksvoll.

Von Nihuil ging es auf die RN144 und ich campte direkt an der Kreuzung, versteckt im Gehölze. Es war schon Abends und der Gegenwind hatte mich mürbe gemacht. Am nächsten Tag hatte der Wind auf wundersame Weise um 180 Grad gedreht und ich flitzte mit richtig starkem Rückenwind nach Malargüe. Unterwegs fingen dann plötzlich die starken Krämpfe an, begleitet mit Durchfall und ich flitzte oftmals eher ins Gehölz am Straßenrand. Furchtbar, da krümmte und quälte ich mich den ganzen Vormittag im Sattel. Am Nachmittag war dann alles wieder gut, seltsam. Naja, in Malargüe deckte ich mich mit allem zweimal ein, denn die RN40 stand an, da sorgt man besser vor.

Ich werde immer wieder gefragt, was ich denn so esse und trinke. Morgens immer meine Kaffee-Bombe mit ordentlich Zucker, sonst nichts. Jetzt wo der Speck an mir etwas weniger geworden ist, esse ich auch mal zwischendurch etwas. Meist bei einer Pause um die Mittagszeit und nach den ersten 60-70 Kilometer. Dann meist Obst (vor allem Orangen und Bananen), Kracker, Brot, Erdnüsse und lokale Erzeugnisse wie Salami und Käse verschiedenster Sorten. Dazu trinke ich dann den ersten Mate-Tee mit viel Zucker. Oh und ich esse vieeel Eis und Schokolade zwischendurch.

Seltener gehe ich auch mal etwas essen und da muss ich immer noch aufpassen was ich so bestelle. Ich wollte letztens ein „Andes“ Bier in einem Restaurant kosten, weil Carlos davon so geschwärmt hatte und saß prompt vor einem ganzen Liter Bier. Nach Nachfrage: Kleinere Biere hatten die nicht und ich musste noch fahren, na denn… Prost!

Abends wird dann meist warm gegessen, also Suppen oder Pasta (sehr selten Reis) mit Gemüse oder Fleisch. Dazu Snacks, Obst und einen letzten Mate Tee.

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