Von Malargüe aus, wo ich direkt neben dem Rio Malargüe übernachtet hatte, ging es direkt auf die RN 40 Richtung Süden. Bei Turcará gab es dann auch gleich schon die bisher beste Abfahrt, schön im Flow mit 50 bis 60 Sachen nach unten, bis zum Rio Grande und Bardas Blancas.
Dort machte ich erstmal eine Mate Pause, stockte meine Wasservorräte auf und erkundigte mich über den Verlauf der RN 40. Ich wollte es eigentlich noch am selben Tag bis zur Laguna Nueva schaffen, daraus wurde aber nichts. Mitten im Streckenverlauf gab es nämlich 70 km Schotter-, Sand- und Steinpiste mit Schlaglöchern, Bodenwellen, großen Steinen oder Sand- und Kiesbetten (herrlich um darin zu versinken). Auf solchen Pisten sucht man ewig nach der Spur, wechselt ständig von links nach rechts und muss sich pausenlos konzentrieren. Aber ich blieb standhaft und pflügte durch wie eine Wildsau. So sah ich dann auch aus, der ganze Staub und Dreck ist sehr fein und schwebt auch lange in der Luft und klebt sich an allem fest. Auto- und Lastwagenfahrer konnte man durch ihre Staubwolke kilometerweit voraussehen. Die meisten nahmen Rücksicht und verringerten das Tempo, einige Schweine gaben aber auch extra Gas und wirbelte soviel Dreck auf, dass ich anhalten und warten musste. Die vielen Wind bzw. Sandteufel schleuderten mir dann noch zusätzlich ihren Dreck ins Gesicht.
Noch vor der Laguna Nueva und dem Anstieg machte ich endgültig Schluss. Ich verbrauchte an diesem Tag meine ganzen Wasservorräte, so anstrengend und warm war es gewesen. Da war ich froh um den Rio Grande, der mir erstklassiges Trinkwasser bescherte (zwar ist viel Sediment im Wasser, aber mein Spezialfilter lässt das nicht durch). Ich campte dann etwa 100m von der Straße entfernt, sichtgeschützt hinter ein paar Büschen. Am nächsten Morgen waren zwei kleine Skorpione unter Zelt und Tasche, igitt!, nichts wie weg!
Am nächsten Tag kämpfte ich mich den Weg hoch bis zur Lagune und war wirklich froh, die asphaltierte Straße wieder zu sehen. Es ging dann auf der RN40 zum Cerro Chihuido de Tril. Fünf Kilometer Luftlinie vom Berg entfernt, kampierte ich und genoß die herrlich Aussicht auf den Berg. Alles sehr ruhig und friedlich, weit ab und entfernt von dem Boca Juniors vs. River Plate Spielgeschehen.
Chos Malal folgte dann schon am nächsten Tag. Dort angekommen bezog ich für zwei Nächte eine Herberge und ruhte ich mich für einen Tag komplett aus. Ferner wechselte ich die Kette am Fahrrad (die war schon ziemlich ausgeleiert), kaufte wieder Vorräte und neue Ausrüstung. Mein 4l Wassersack war ja leider kaputt und nicht mehr zu reparieren gewesen.
Als nächstes Ziel sollte der Ort Copahue mit seinem Vulkan (heißt genauso) und den Thermen anstehen. Ich dachte zuerst an die RP 6, da es einen wesentlich kürzerer Weg nach Copahue darstellte. Die „Straße“ testete ich dann schließlich für zwei Kilometer an und entschied mich umzudrehen, da die Straße einfach zu haarsträubend war. Also weiter auf der RN40 Richtung Süden bis zu einem kleinen Dorf namens Chorriaca.
Dort tankte ich Wasser, machte meine obligatorische Mate-Pause und wurde sogar zum Essen eingeladen, super! Von diesem Dorf führte ein steiler, aber schöner Erd- und Schotterweg nach Westen durchs Gebirge bis nach Loncopué. Die Straße war, nach dem steilen Anstieg und einer kleinen Furt, wesentlich besser und ich sah unterwegs viele Papageien die sich an grünen Beeren labten sowie dutzende dieser kleinen Schlangen (ob die wohl giftig sind?). Natürlich gab es auch viele frei umher laufende Ziegen, Pferde und Kühe zu bestaunen die oftmals von Gauchos zusammen getrieben wurden. Ich kampierte noch recht oberhalb von Loncopué, auf einem Steinfeld, von dem man schon den Vulkan mit seinem Gerauche sehen konnte.
Am nächsten Morgen begann ich mit dem Abstieg nach Loncopué und einem weiteren Platten. Diesmal war es ein Dorn, dick wie ein Schaschlikspieß, der sich durch meinen „unplattbaren“ Schwalbe Reifen durchgebohrt hatte. Nach schneller Reparatur ging es dann in den Ort, nur um dann gleich wieder nach Copahue hochzufahren.
Es ging entlang seltsamer Felsformationen, Schreinen, einem schönen Tal, bis weit hoch, an vielen Berghütten und kleinen, wohlschmeckenden Bergquellen vorbei auf eine Hochebene um den See „Caviahue“ und der gleichnamigen Kleinstadt. Dort pausierte ich eine Stunde und schaute beim Mate-Schlürfen zu, wie der Copahue eine Stinkewolke nach der anderen aus sich heraus pustete. Hier und da roch es nach faulen Eiern, typischer Schwefelgeruch, wie ich ihn aus Neuseeland und Island bereits kenne. Leider hörte die asphaltierte Straße nach Caviahue auf und es folgten 2,5 Stunden reine Aufstiegszeit (sind läppische 18 km), bis ich ganz oben im Dorf Copahue war. Caviahue selbst ist eigentlich ein typischer Ort des Wintersports, im Sommer sieht dann alles irgendwie komisch aus, mag daran liegen das der Schnee fehlt. Die Häuser sind aber teilweise sehr schön mit Stein vertäfelt.
Der Weg war gespickt mit vielen schönen Ausblicken auf die umliegenden Berge, Seen und Araukarienwälder. Irgendwo, kurz vor ganz oben, entdeckte ich auch gleich meine Campsite für die Nacht, ein kleines Plateau mit 1A Ausblick auf den Trolope Grande. In Copahue selbst, war es wie ausgestorben, die Thermen alle geschlossen. Der ganze Betrieb geht erst allmählich ab dem 1. Dezember los, tja dann halt kein Schwefelbad für mich., wozu auch, mir fehlt ja auch nichts! Viele Quellen (vor allem in Umgebung) sind aber frei zugänglich und man kann genug vom Schwefel geschwängerte Luft einatmen, dem Blubbern und Dampfen zusehen oder die farblich interessanten Ablagerungen untersuchen.
