El alemán.

Reisen, Impressionen, Reflexionen

Bariloche und Parque National Los Alerces

Nach einer Nacht mit Froschkonzert am Lago Baileys Willys, fuhr ich am nächsten Tag weiter in das 20 km entfernt gelegene Villa la Angostura. Dort bezog ich Quartier in einem Hostel und erkundete noch am selben Tag den Parque Nacional Los Arrayanes. Durch den Park führt ein ca. 10 km langer Wanderweg, der entweder gewandert oder teilweise mit dem Fahrrad gefahren werden kann. Mit all dem Gepäck ist das aber schwierig, da man das Fahrrad teilweise mehrere hundert Meter bergauf über Stufen schleppen muss. Deswegen bezog ich ein Hostel und lies meine Ausrüstung vor Ort. Die Laguna La Patagua war im Nationalpark das eigentliche Highlight und lud zu einer längeren Pause ein. Bariloche selbst, sollte erst am darauffolgenden Tag besucht werden (ich musste schließlich noch um den ganzen Lago Nahuel Huapi fahren).

Bariloche

Den ganzen Hype um diesen Ort verstehe ich nicht so ganz. Gut, es ist ein Ort des Wintersports und auch im Sommer kann man einiges erleben, aber es ist nichts wirklich Außergewöhnliches daran. Erinnert mich ein bisschen an Bay of Islands in Neuseeland. Kurz gefasst: Eine ziemlich überlaufene und kommerzialisierte Postkartenidylle, die sie einem mit gesalzenen Preisen verkaufen möchten. Vielleicht liegt es auch an der Prominenz, die diesem Ort in der Vergangenheit etwas abverlangen konnte. Viele deutsche Auswanderer sollen hier auch ein neues Zuhause gefunden haben.

So radelte ich am Circuito Chico entlang, bestaunte das Llao Llao Hotel, wanderte einige kleine Tracks und campte schließlich in der Nähe von Col. Suiza, entlang der Ruta Provincial 79.

Von der Ruta Provincial 79 aus, war mein Zelt nicht zu sehen. Es lag unterhalb einer Böschung und die nächste Ortschaft war einige Kilometer entfernt. Die Böschung war recht steil und führte hinunter ins Tal zum Ufer des Lago Perito Moreno. Dort, einige hundert Meter weiter unten, hörte ich Männerstimmen und Arbeitslärm. Da ich weit oberhalb davon lag, in der Nähe der Straße und umgeben von Büschen und Bäumen, dachte ich mir nichts weiter dabei. Dies war ein großer Fehler, denn ich wurde möglicherweise bereits beobachtet. Dort oben lag ich wie auf einem Präsentierteller.

Um ca. drei Uhr nachts wurde ich schließlich von Geraschel und Gezerre an meinem Zelt und den Taschen wach. Ich dachte zuerst an Hunde oder wilde Tiere und versuchte, sie als erstes mit meiner Stimme zu verscheuchen, was nichts nutzte. Dann machte ich das Licht an und leuchtete durch mein Moskitonetz nach draußen um den ungebeten Gast ausfindig zu machen (die zweite Zelttüre hatte ich vor dem Schlafen gehen, halb offen gelassen). Als ich so nach draußen leuchtete, hörte ich plötzlich Stimmen laut rufen, tja und dann ging alles ganz schnell.

Dankbar für das bereitgestellte Licht, fuhr plötzlich eine Machete durch meine Zelttüre und schnitt das Moskitonetz der Länge nach auf. Die Taschenlampe wurde mir sofort weggenommen und ein weiteres Messer landete an meiner Kehle und spätestens da wußte ich, dass ich in ernsten Schwierigkeiten steckte.

Die Räuber, es waren wohl zwei (Zwei? Na und? :)), hatten es auf meine gesamte Ausrüstung abgesehen. Sie durchwühlten alle Taschen, warfen alles in den Dreck und nahmen mit, was sie für wertvoll hielten. So wechselten einige Dinge ihren Besitzer und ich wurde schließlich noch an Händen und Beinen gefesselt (mit meinem Spanngurt und einer Zeltschnur).

Fehlt nur noch das Messer im Bauch dachte ich, aber sie ließen von mir ab und warfen stattdessen einige Sachen ins Zelt auf mich drauf, um mich wohl irgendwie „abzudecken“. Durch die eingesackten Sachen (Tablets, Bargeld, Solarladegerät, Messer, Kreditkarten, Rucksack, Drehmomentschlüssel etc. waren sie zufrieden und suchten schließlich das Weite. Sogar mein ganzen Essen nahmen sie mit, diese H…söhne. Das Fahrrad interessierte sie kein Stück, die Räuber waren auf das schnelle Geld aus.

Unter den Sachen, die sie ins Zelt zurückwarfen, war unter anderem meine Tasche mit Spezialwerkzeug, so konnte ich mich mit meinem Bowdenschneider befreien und rannte einige Kilometer, wie unter Schock, zum nächsten Haus. Als ich da so durch die Dämmerung rannte, realisierte ich erst, das ich richtig viel Glück gehabt hatte und war unendlich froh, unversehrt und am Leben zu sein.

An der nächsten Siedlung angekommen, wurden die Anwohner der Reihe nach wachgemacht, die schließlich für mich die örtliche Polizeit alarmierten. Bis die dann da war, verging wohl eine Stunde, dann wurde ich zur Wache gefahren. Von dort dann zurück zum Tatort, Fotos machen, die Sachen einpacken, und wieder erneut zurück zur Wache, um Anzeige zu erstatten. Anzeige gegen unbekannt natürlich, ich hatte ja leider niemanden erkennen können. Auf der Wache gewährte man mir einen Anruf nach Hause, gab mir einen starken Kaffee und half mir beim Packen meiner Sachen.

Einiges war zwar weg, aber die Kernausrüstung war noch komplett und ich hatte noch mein geliebtes Fahrrad. Die Möglichkeit an Geld zu kommen, war zwar durch den Raub meiner Kreditkarten eingeschränkt aber nicht gänzlich unmöglich. So konnte ich meine Reise schließlich trotzdem fortsetzen.

Ich brauchte zwei Tage um alles halbwegs zu verdauen und um die verlorene Ausrüstung nachzukaufen. Ferner musste ich meine ganzen Sachen wieder sortieren, waschen und in Ordnung bringen. In Bariloche half mir dann auch Mariano ein großes Stück weiter. In seinem Hotel konnte ich günstig unterkommen, ferner organisierte er noch eine Unterkunft für El Bolson.

Von Bariloche mehr als die Schnauze voll, ging es weiter nach El Bolson, dort übernachtete ich in einer Brauerrei und gönnte mir ein gutes schmackhaftes Bier (dafür ist El Bolson ja berühmt). Es ist übrigens ein Wahnsinn, wieviel Hopfen hier angebaut wird.

Parque Nacional Los Alerces

Die letzte Station kurz vor dem „Chubut-Rennen“, war der Parque Nacional Los Alerces. Ein wunderschöner Park, viele Seen mit Bergkulisse, große Bäume und alles leuchtete nur so in bunten Farben. Die Strecke war aber ziemlich anstrengend, ab Rivadavia war die Ruta Provincal 71 nur noch ein Stein- und Schotterweg, mit ziemlich steilen Abschnitten (ähnlich der Straße am Lago Traful).

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