El alemán.

Reisen, Impressionen, Reflexionen

Ruta Nacional 25 und Puerto Madryn

Die Ruta Provincial 71 führte mich direkt nach Esquel, einem recht verschlafenen Ort. Hier kaufte ich wieder Vorräte für meine weitere Tour und die letzte noch fehlende Ausrüstung. Unterkunft fand ich bei netten Anwohnern, bei ihnen durfte ich im Garten campen.

Der Plan sah vor, so schnell wie möglich ans Meer zu kommen, direkt rüber zur Peninsula Valdez, denn dort sollte entspannt Weihnachten verbracht werden. Warum so schnell nach Valdez? Die Zeit war relativ knapp und auf der Strecke gibt es wenig Einkaufs-möglichkeiten (da kommt mal 80 bis 100 km nichts). Ferner ist die Route nicht ganz ungefährlich, von Räubern und Pumas mal abgesehen. Außerdem weht ein starker Westwind, so konnte ich mal so richtig Gas geben.

Die Ruta 25 führt direkt durch das obere Drittel Patagoniens. Es ist eine sehr trockene Gegend, es gibt viel Monte (trockenes, steppen-haftes Buschland) und somit relativ wenig Wasser. Der Rio Chubut dominiert die zweite Hälfte der Ruta 25 und formte mehrere Canyons mit wunder-schönen Felsformationen (besonders um Los Altares).

Es gab neben der teilweise atemberaubenden Landschaft auch viele Tiere zu bestaunen. Darunter waren viele Gürteltiere, Rheas, Guanakos, Graufüchse, Greifvögel, Geier, und Schlangen (alles harmlose Arten). Die Strecke soll von Pumas nur so wimmeln, leider (oder zum Glück) konnte ich wieder keinen entdecken.

Ich schaffte die Strecke Esquel – Gaiman in drei Tagen. Jeden Tag über 200 km, dank des starken Rückenwindes, kein Problem. Kurz vor Gaiman kam mir dann noch ein schweizer Pärchen auf ihren Fahrrädern entgegen. Diese mussten noch 500 km unter starkem Gegenwind zurücklegen, sie schafften gerade einmal 50 km pro Tag. In den Canyons weht der Wind aber fairerweise ziemlich willkürlich aus allen Richtungen.

Gaiman

In Gaiman traf ich dann noch auf Guillermo „Willhelm“ (sein Ur-Ur-Großvater war Deutscher) und wurde prompt auf ein Cordero Patagonico eingeladen, das typisch einheimisch zubereitet wurde. So gab es wieder viel gutes Essen und ordentlich zu Trinken. Ich lernte einige (seltsame) argentinische Sprichwörter und wie man Mate-Tee endlich richtig zubereitet bzw. trinkt. Die Argentinier schütteln trotzdem immer noch den Kopf wenn sie sehen, wie schnell ich einerseits den Mate-Tee trinke und andererseits die Menge an Zucker, die ich dabei verwende. Naja was soll’s, jeder nach seiner Façon!

Gaiman (mit seinem walisischen Touch bzw. Erbe) bietet einige schöne Teehäuser, die mit teurem Kuchen und Tee aufwarten können. Des Weiteren lernte ich einiges über die Eisenbahn, die hier einmal bis nach Las Plumas fuhr und bis nach Esquel hätte reichen sollen. Leider wurde der Plan nie umgesetzt und die Eisenbahn wurde schließlich stillgelegt. Was wären die Schweizer froh gewesen, hätten sie mit dem Zug nach Esquel fahren können! Tja, so ein Pech aber auch!

Trelew war jetzt nicht so einladend, einfach nur schnell durch und an die Küste, nach Puerto Madryn. Ich brannte förmlich darauf, das Meer endlich wiederzusehen.

Puerto Madryn

In Puerto Madryn gönnte ich mir ein luxuriöses Zimmer und ruhte mich einen Tag aus, bevor es schließlich für vier Tage auf die Peninsula Valdez ging.

Puerto Madryn ist eine Hafenstadt, die sich neben der Industrie hauptsächlich auf den Tourismus fokussiert hat. Ansonsten ist es eine Stadt, wie fast jede andere in Argentinien auch. Typisch sind die übervollen Stadtbusse, die wirklich an jeder Haltestelle anhalten müssen und gefühlte hundert Passagiere ausspucken die dann den Gehweg mit ihren dutzenden mitgeführten Kinderwagen verstopfen. Die teilweise unglaublich langen Schlangen von Menschen, die sich vor den Geldautomaten bilden (Inflation liegt bei fast 50%, Banken erlauben jetzt teilweise schon die doppelte Bargeldmenge abzuheben – 4.000 Pesos).

Weiterhin typisch die dutzenden Panaderias und Rotiserias, wo es u. a. leckere Facturas und Empanadas gibt. Ferner gibt es auch viele Eisstände und Restaurants – Argentinier sind verrückt nach Eis, sie verzehren geradezu Tonnen davon. Viele, vieeele Fleischhändler, die gleich das Grillholz für das Asado mitverkaufen. Das Einbahn-straßensystem, das ich bis heute gekonnt missachte. An Ampeln sind oft Straßenkünstler zu finden, die mal mehr mal weniger gekonnt, vor dem stehenden Verkehr, für ein paar Pesos jonglieren oder andere Kunststücke vorführen.

Straßenhunde lungern gefühlt an jeder Ecke herum und liegen dabei faul in der Sonne. Wegen eben dieser, gibt es auch diese häßlichen Gitterboxen, die auf hohe Metallpfosten montiert werden. Fast jeder Anwohner hat so ein Ding vor seinem Haus, dass aussieht, wie ein mutierter Briefkasten. Dort landet der Hausmüll, schön außer Reichweite der Hunde, die würden sonst alles nur auf dem Boden vertteilen. Am Strand und der Promenade dann das übliche Bild, Straßen- verrkäufer, Spaziergänger, Körper-kult betreibende Enthusiasten und viele, viele Touristen. Jetzt im Januar fängt die Feriensaison erst richtig an, dann sind auch tausende Argentinier mit ihren Familien unterwegs und machen hauptsächlich in ihrem eigenen Land Urlaub.

Achja, mein Fahrrad läuft und läuft und … Nur der Sattel ist letztens gebrochen, klassischer Ermüdungsbruch, konnte ich aber später auf Valdez schweißen lassen. 😊

 

 

 

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