Nachdem ich ein erholsames Weihnachten in Puerto Madryn verbracht hatte, ging es über die RP 1 weiter nach Süden.
Die RP 1 ist eine alte Schotterpiste, die kaum noch genutzt wird. Hier gibt es wesentlich weniger Verkehr, auch wenn sie dafür nur selten gewartet wird.
Das Teilstück zwischen Pt. Madryn und Rawson ist nicht gerade sehenswert, eigentlich gibt es nur Monte zu bestaunen und am Ende fährt man durch eine Müllkippe sowie einem Slum, ehe man endlich in Rawson selbst ist.
In Rawson wurde noch schnell eingekauft und Post in die Heimat versendet. Dann ging es auf die RP 2 und die RN 3. Ein weiteres langweiliges Inlandsstück der RP 1 wollte ich somit vermeiden. Außerdem ist die Strecke asphaltiert und so kam ich wiederum schneller vorran.
Auf der RP2 stürzte ich unglücklich mit dem Rad und zog mir wahrscheinlich eine gebrochene Rippe und mehrere Prellungen zu. Ursache war ein simples Schlagloch. Naja, kann ja mal passieren.
Die RN 3 konnte ich somit auch antesten und die Berichte um diese Horrorstraße überprüfen. Nun, was den Verkehr angeht, ist sie ziemlich gefährlich. Hier reiht sich tatsächlich Lastwagen an Lastwagen, als Bonus gibt es noch idiotische Autofahrer mit waghalsigen Überholmanövern und minimalem Abstand. Ferner gibt es oft keinen befestigten Seitenstreifen zum Ausweichen.
Ich war froh, wieder auf die RP Richtung Punta Tombo wechseln zu können.
Punta Tombo liegt südlich der Peninsula Valdez und ist eine der größten Magellan-Pinguinkolonien. Hier kann man den Vögeln ganz nah sein und sie in aller Ruhe beobachten. Es stinkt allerdings ziemlich gewaltig nach Pinguin-Scheiße. Der Eintrittspreis liegt bei 400 Pesos, im Vergleich also wieder ziemlich teuer. Das Highlight ist dann aber die Bucht und der Strand. Dort kann man den Pinguinen beim Tauchen und Jagen zuschauen.
Die RN 3 ist berühmt und berüchtigt für ihren starken Straßenverkehr. Wer ausweichen möchte, muss die RP 1 nehmen, allerdings alles feinste Schotterpiste.
Dafür gibt es traumhaft schöne und einsame Kies-Strände die zum Wildcampen einladen (allerdings nur für den, der die Sandfliegen nicht scheut). Auch das Umland ist einsam schön und die Erde wechselt oft ihre Farbe
Ab Bahia Bustamante ist Schluss und man muss bis runter nach Caleta Olivia auf der RN 3 bleiben. Alle größeren Städte wie Comodoro Rivadavia oder Caleta Olivia sind nicht wirklich sehenswert. Von der Ferne sieht Comodoro aus, als hätte eine Rießenwelle einen Haufen Müll an den Berg gespült.
Einzig Rada Tilly sah einigermaßen nett und sicher aus, hier gibt es auch einen kleinen Naturpark zu besichtigen. In Rada Tilly habe ich ein sehr ruhiges Silvester verbracht, geknallt wird hier nicht wirklich (umso besser).
Anschließend fuhr ich in drei Tagen von Rada Tilly nach Puerto San Juliàn. Dazwischen nur Steppe und Wüste, ein ödes und trockenes Land.
Die Einkaufsmöglichkeiten sind sehr rar gesät. Oftmals musste ich 130km durchfahren, bis die nächste Tankstelle oder ein Laden erschien. Im Notfall kann man sich aber an Difunta Correa Schreinen bedienen oder Autofahrer um Hilfe bitten (es finden sich immer gute Seelen, die einem Wasser und Essen schenken). Oder man schleppt einfach genug Wasser und Essen mit sich herum.
Für mich war es kein Problem, mal für 60 oder 90 km ohne Wasser zu fahren. Es ist hier unten trotz Sonne nicht übermäßig heiß, also sollte der Körper das locker aushalten.
Insgesamt also eine öde Strecke, allerdings konnte ich wieder viele Guanakos, Gürteltiere, Rheas und Graufüchse ausmachen. Letztere bedienen sich oftmals an den unzähligen Roadkills oder verendeten Guanackos, die in den bescheuerten Zäunen hängen geblieben sind.
Der Wind wehte mir oftmals mit seiner unbarmherzigen Stärke ins Gesicht. 90 km fahren bei 30 bis 40 kmh Gegenwind sind hier normal, Ausdauer und Dickköpfigkeit sind hier das Maß aller Dinge.

