El alemán.

Reisen, Impressionen, Reflexionen

  • Puerto Williams nach Punta Arenas

    Mit der Fähre ging es von Puerto Williams nach Punta Arenas. Die Reise dauerte ganze 33 Stunden und ich wurde kurzzeitig sogar seekrank. Als sich das Schiff der offenen See näherte, wurde es nämlich ziemlich ungemütlich.

    Das Essen war mittelmäßig und es reichte gerade dazu, nicht zu verhungern. Leider konnte ich keine Wale oder sonstige Tiere sehen. Die Aussicht war aber nicht ganz so übel, auch wenn das Wetter oft ziemlich schlecht war.

     

  • Isla Navarino

    Von Ushuaia ging es mit einem motorbetriebenen „Schlauchboot“ nach Puerto Navarino. Dort angekommen, die Überfahrt dauerte keine 30 Minuten, musste auf den Bus umgestiegen werden, der uns dann letztendlich nach Puerto Williams brachte.

    Mit dem Fahrrad durfte ich leider nicht fahren, die wollten uns lieber gleich alle direkt zur Einreisebehörde bringen (schließlich betrat ich ja wieder chilenischen Boden).

    Puerto Williams ist ein geradezu verschlafenes Nest, dass sich ohne Zweifel der Langsamkeit verschrieben hat. Hier wird man geradezu gezwungen, lange auszuschlafen und zu relaxen. Es sei denn, man startet mal extra früh zu einer der vielen Wanderungen.

    Ich wanderte, nach einigem Zögern, schließlich doch den Circuito de los Dientes. Nur mit meinen Sneakern an den Füßen und einem schweren Rucksack, den ich zuvor ausgeliehen hatte, ging es los (verrückt ich weiß). Mit dem Wetter hatte ich aber ziemliches Glück. Insgesamt relativ viel Sonne und nur sehr wenig Regen und Wind. Belohnt wurde das Ganze mit traumhafter Landschaft und wunderbarer Einsamkeit inmitten unberührter Natur. Der Trail war schon etwas anspruchsvoller, denn teilweise musste ich mich durch Schlamm, Morast, umgestürzte Bäume und sogar etwas Schnee kämpfen, an Wurzeln hochziehen oder steile rutschige Abhänge herunterschlittern.

    Ich benötigte für die knapp 40 bis 50 km letztendlich nur zwei Tage.

  • Parque National Tierra del Fuego

    Im Nationalpark „Tierra del Fuego“ verbrachte ich insgesamt 4 Tage und wanderte fast jeden Trail.

    Zuerst musste aber Eintritt bezahlt werden, satte 490 Pesos. Dafür darf man drei Tage im Nationalpark verbringen und zwei Nächte campen (ich hielt mich nicht so genau daran).

    Die im Nationalpark verteilten Campingplätze bieten außer Toiletten keinen weiteren Luxus. Allerdings gibt es reichlich Bäche oder Flüsse in der Nähe, somit ist die Versorgung mit Frischwasser sichergestellt. Im Visitor Center „Alakush“ gibt es immerhin ein Restaurant (mit gesalzenen Preisen versteht sich), sonst muss an Verpflegung alles selbst mitgebracht werden.

    Noch am Ankunftstag wanderte ich alle Trails um die Lapataia Bay und kampierte anschließend in der Nähe der Laguna Verde.

     

    Der zweite Tag war anstrengend, aber es lohnte sich wirklich. Zuerst den Cerro Guanaco Trail (auf 973 Meter hoch), mit fantastischer Aussicht auf Ushuaia und die Anden. Dann alles wieder runter und den Hito XXIV Trail bis an die chilenische Grenze. Dannach war ich förmlich platt und kampierte wieder am selben Fleck.

     

    Am dritten Tag brach ich mein Lager ab und fuhr mit dem Fahrrad nach Ensenada Zaratiegui, das mit einem wunderbaren Panorama des Beagle Kanals aufwarten konnte. Dort parkte ich mein Fahrrad und wanderte den Costera Trail. Am Nachmittag fuhr ich dann zum Pipo River und schlug mein Nachtlager auf. Kurz vor Pipo River kam mir sogar noch die berühmte „Austral Fueguino “ Schmalspurbahn entgegen.

     

    Am Morgen des vierten Tages erkundete ich einen Teil des Pampa Alta Trails ehe ich nach Ushuaia zurückfuhr um meine Vorräte wieder aufzufüllen.

     

  • Tierra del Fuego, auf nach Ushuaia

    Um nach Feuerland zu kommen, musste ich zuerst nach Chile einreisen. Wieder viel Papierkram und strenge Gesichter. Auf chilenischer Seite brach mir dann auch noch prompt der Sattel unterm Hintern weg. Zur Abwechslung aber mal auf der anderen Seite. Zum Glück war in Punta Delgada eine Werkstatt mit Schweißgerät vorhanden und so konnte es schnell repariert werden. Am selben Tag ging es mit der Fähre nach Feuerland.

     

    Feuerland ist im Norden so karg und öde wie Südpatagonien. Allerdings ändert sich die Landschaft gewaltig, je weiter man nach Süden fährt. Der Wind weht konstant aus Westen oder Nordwesten. Gar nicht mal so schlecht.

    Der Norden Feuerlands ist durchzogen von Industrie und Erdölförderung, nicht gerade sehenswert. Es gibt aber hin und wieder auch grünere Täler auf denen Schafe weiden.

     

    Ich nächtigte in Co. Sombrero, bevor es am nächsten Tag über San Sebastian nach Rio Grande ging. Rio Grande ist eine ganz nette und überschaubare Stadt (kein Vergleich zum häßlichen Rio Gallegos). Dort wurden wieder die Vorräte aufgestockt.

    Von Rio Grande ging es zum C. San Pablo, dort lag ein gestrandetes Schiffswrack, die „Desdemona“. Die Landschaft änderte sich schlagartig auf dem Weg dorthin. Es war endlich wieder Wald zu sehen, auch wenn das Ganze ziemlich unheimlich aussah.

     

    Dann erreichte ich schließlich die Desdemona. Sie hatte ein großes Loch im Rumpf, so konnte man das verrostete Wrack auch von innen erkunden.

     

    Der darauffolgende Tag wurde wieder sehr anstrengend. Zuerst die Schotterpiste zurück auf die RN 3, dann 120 km, zumeist gegen den Westwind fahren, die Anden noch einmal queren und schließlich am Ende noch eine Wanderung von 12 km zur Laguna Esmeralda. Aber es hatte sich wirklich gelohnt. Am nächsten Tag sollte es regnen, deswegen forcierte ich noch die Wanderung.

    Auf meinem weiteren Weg nach Süden, wurde die Landschaft und vor allem der Wald immer grüner. Ich konnte viele schöne Seen und die Berglandschaft bewundern.

     

    Gekrönt wurde der Tag schließlich mit einer Wanderung zur Laguna Esmeralda. Wunderschön.

     

     

    Am nächsten Tag dann endlich Ushuaia! Dazu später mehr.

     

  • Monte León und Laguna Azul

    Wie bereits gewohnt, ging es auf der RN 3 immer weiter nach Süden. Ein Etappenziel war u. a. der Nationalpark Monte León, Argentiniens ältester Küstennationalpark. Der Weg dorthin war wieder sehr öööde und der Wind weht einem hauptsächlich aus westlicher oder südlicher Richtung um die Ohren. Also auch hier wieder traumhafte Bedingungen *Ironie off*. Aber man gewöhnt sich daran (ja, tatsächlich) und zählt geduldig die Kilometerschilder am Straßenrand. Kilometer für Kilometer kriecht man so in Zeitlupe vorwärts und muss immer wieder den Lastwagen ausweichen, sonst wird man schlichtweg überollt.

     

    In Luis Piedra Buena wurde mir meine Vorfreude auf den Nationalpark etwas getrübt. Das Infocenter teilte mir nämlich mit, dass der Park bis auf die Pinguinkolonie komplett geschlossen und nicht zugänglich sei. Ein Unwetter und die darauf folgende Erosion hatte die Straßen und Küsten stark beschädigt.

    Naja wieder nur Pinguine, was soll’s. Ich kam eh erst kurz vor 19:00 am Parkeingang an. Da war aber schon alles zu und kein Schwein mehr zu sehen (sich morgens Zeit lassen aber hurtig Feierabend machen, jaja).

    So wurde halt wieder eine Nacht gezeltet, abseits der Straße und oberhalb einer Böschung, gut versteckt.

    Am nächsten Tag erfuhr ich von einem Ranger, dass nur ein paar Kilometer entfernt eine Estancia mit B&B lag. So schmiedete ich den Plan dort mal wenigstens vorbeizuschauen, vielleicht konnte ich ja dort mein Fahrrad lassen. Letztendlich bezog ich dort Quartier und konnte anschließend in aller Ruhe den Park erkunden.

    Die „Estancia Doraike“ machte von außen jetzt nicht soviel her, innen war sie aber komplett renoviert und bot im Vergleich zu meinem Zelt unglaublichen Luxus. Ich bezog mein Zimmer und machte mich noch gegen Vormittags auf den Weg zum Park.

     

    Der Nationalpark wurde trotz der Straßenschäden weitestgehend komplett erkundet. Mit dem Fahrrad war es dennoch gut möglich und als der Ranger in seiner Hütte mal nicht hinsah, schlüpfte ich einfach durch die aufgestellte Straßensperre.

     

     

    Zwischen Monte Leon und Rio Gallegos lag noch ein schönes Vogelschutzgebiet, in dem ich u. a. Flamingos beobachten konnte.

     

    Natürlich hauptsächlich wieder viel weitläufige Steppe mit viel Wind.

     

    In Rio Gallegos angekommen, musste ich dann auch gleich eine willkommene Zwangspause im Hostel einlegen. Das Wetter schlug nämlich plötzlich um und es regnete und hagelte den ganzen restlichen Tag.

    Vor der chilenischen Grenze und letztendlich Feuerland, gab es noch die vorerst letzte Station Patagoniens zu bewundern, nämlich die Laguna Azul.

     

  • Punta Tombo und die RN 3 Richtung Süden

    Nachdem ich ein erholsames Weihnachten in Puerto Madryn verbracht hatte, ging es über die RP 1 weiter nach Süden.

    Die RP 1 ist eine alte Schotterpiste, die kaum noch genutzt wird. Hier gibt es wesentlich weniger Verkehr, auch wenn sie dafür nur selten gewartet wird.

    Das Teilstück zwischen Pt. Madryn und Rawson ist nicht gerade sehenswert, eigentlich gibt es nur Monte zu bestaunen und am Ende fährt man durch eine Müllkippe sowie einem Slum, ehe man endlich in Rawson selbst ist.

    In Rawson wurde noch schnell eingekauft und Post in die Heimat versendet. Dann ging es auf die RP 2 und die RN 3. Ein weiteres langweiliges Inlandsstück der RP 1 wollte ich somit vermeiden. Außerdem ist die Strecke asphaltiert und so kam ich wiederum schneller vorran.

    Auf der RP2 stürzte ich unglücklich mit dem Rad und zog mir wahrscheinlich eine gebrochene Rippe und mehrere Prellungen zu. Ursache war ein simples Schlagloch. Naja, kann ja mal passieren.

    Die RN 3 konnte ich somit auch antesten und die Berichte um diese Horrorstraße überprüfen. Nun, was den Verkehr angeht, ist sie ziemlich gefährlich. Hier reiht sich tatsächlich Lastwagen an Lastwagen, als Bonus gibt es noch idiotische Autofahrer mit waghalsigen Überholmanövern und minimalem Abstand. Ferner gibt es oft keinen befestigten Seitenstreifen zum Ausweichen.

    Ich war froh, wieder auf die RP Richtung Punta Tombo wechseln zu können.

    Punta Tombo liegt südlich der Peninsula Valdez und ist eine der größten Magellan-Pinguinkolonien. Hier kann man den Vögeln ganz nah sein und sie in aller Ruhe beobachten. Es stinkt allerdings ziemlich gewaltig nach Pinguin-Scheiße. Der Eintrittspreis liegt bei 400 Pesos, im Vergleich also wieder ziemlich teuer. Das Highlight ist dann aber die Bucht und der Strand. Dort kann man den Pinguinen beim Tauchen und Jagen zuschauen.

    Die RN 3 ist berühmt und berüchtigt für ihren starken Straßenverkehr. Wer ausweichen möchte, muss die RP 1 nehmen, allerdings alles feinste Schotterpiste.

    Dafür gibt es traumhaft schöne und einsame Kies-Strände die zum Wildcampen einladen (allerdings nur für den, der die Sandfliegen nicht scheut). Auch das Umland ist einsam schön und die Erde wechselt oft ihre Farbe

    Ab Bahia Bustamante ist Schluss und man muss bis runter nach Caleta Olivia auf der RN 3 bleiben. Alle größeren Städte wie Comodoro Rivadavia oder Caleta Olivia sind nicht wirklich sehenswert. Von der Ferne sieht Comodoro aus, als hätte eine Rießenwelle einen Haufen Müll an den Berg gespült.

    Einzig Rada Tilly sah einigermaßen nett und sicher aus, hier gibt es auch einen kleinen Naturpark zu besichtigen. In Rada Tilly habe ich ein sehr ruhiges Silvester verbracht, geknallt wird hier nicht wirklich (umso besser).

    Anschließend fuhr ich in drei Tagen von Rada Tilly nach Puerto San Juliàn. Dazwischen nur Steppe und Wüste, ein ödes und trockenes Land.

    Die Einkaufsmöglichkeiten sind sehr rar gesät. Oftmals musste ich 130km durchfahren, bis die nächste Tankstelle oder ein Laden erschien. Im Notfall kann man sich aber an Difunta Correa Schreinen bedienen oder Autofahrer um Hilfe bitten (es finden sich immer gute Seelen, die einem Wasser und Essen schenken). Oder man schleppt einfach genug Wasser und Essen mit sich herum.

    Für mich war es kein Problem, mal für 60 oder 90 km ohne Wasser zu fahren. Es ist hier unten trotz Sonne nicht übermäßig heiß, also sollte der Körper das locker aushalten.

    Insgesamt also eine öde Strecke, allerdings konnte ich wieder viele Guanakos, Gürteltiere, Rheas und Graufüchse ausmachen. Letztere bedienen sich oftmals an den unzähligen Roadkills oder verendeten Guanackos, die in den bescheuerten Zäunen hängen geblieben sind.

    Der Wind wehte mir oftmals mit seiner unbarmherzigen Stärke ins Gesicht. 90 km fahren bei 30 bis 40 kmh Gegenwind sind hier normal, Ausdauer und Dickköpfigkeit sind hier das Maß aller Dinge.

  • Peninsula Valdés

    Wie die Halbinsel erkunden?

    Die Peninsula Valdes wird hauptsächlich auf zwei Varianten erkundet, entweder per Auto (z. B. Mietauto) oder mittels einer organisierten Tour (also per Kleinbus). Andere Varianten wären per Fahrrad oder zu Fuß (alternativ per Anhalter).  Die Touren haben ein enges Zeitfenster, man zahlt sehr viel Geld und muss sich an die Bedingungen der Organisation halten. Das wäre überhaupt nichts für mich.

    Extra ein Auto mieten für 2000 Pesos (und aufwärts) pro Tag + 1000 Pesos Sprit + Eintrittsgebühr 650 Pesos, sind auch zu teuer. Also schön mit dem Fahrrad fahren dachte ich, allerdings wird das einem ziemlich erschwert, bzw. ist es nicht erwünscht und es wird einiges unternommen, um es einem ja auszureden. Besonders vom Tourismusgewerbe wollen natürlich alle, dass man ihre ollen Touren bucht und die Luft mit ihrem dummen Bus verpestet. Nee, danke und Tschüss!

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    Fahrradfahrer haben ein Problem

    Die Halbinsel ähnelt glatt einer Hochsicherheitszone, sie hat nämlich nur einen Eingang über die Ruta Provincial 2 und da kommt man nur rein, wenn man vorher auch brav die 650 Pesos gezahlt hat (alles eingezäunt und streng überwacht). Im Vergleich zu anderen Parks ist das der doppelt übliche Preis (also ziemlicher Wucher). Auf der gesamten Halbinsel gibt es ferner nur einen Campingplatz und der liegt in Puerto Piramides. Der ist offiziell geschlossen, aber man darf trotzdem dort umsonst campen, allerdings gibt es keinen Service zu erwarten und der Campingplatz sieht dem entsprechend auch aus. Die Preise auf der Halbinsel sind unverschämt und schlagen ordentlich auf den ohnehin schon höheren „Wir sind hier in Patagonien und hier ist eh alles teuerer“ Preis oben drauf.

    Doch zurück zum eigentlichen Problem des „State-Parks“. Per Fahrrad fährt man 100 km von Puerto Madryn nach Puerto Piramides und kann dort ohne Problem campen, so weit so gut. Aber will man um die Halbinsel herumfahren, also die Ruta Provinzial 2, 47 und 3, hat man keine einzige Möglichkeit zum Camping. Die Strecke ist 192 km Schotter- und Sandpiste, wenn ich mich nicht irre. Ein trainierter Fahrer kann das u. U. an einem Tag schaffen, aber das wäre ein Gehetze ohne Gleichen und zum Erkunden der Tier- und Pflanzenwelt wäre nur sehr wenig Zeit.

    Zur Lösung des Problems, gibt es dann auch nur zwei Möglichkeiten, entweder man fragt auf einem der Bauernhöfe (sehr schwierig) nach Unterkunft oder man campt einfach wild irgendwo. Allerdings ist das sehr schwierig, da die Ranger und auch Anwohner sehr dagegen sind und fürchten, man vermülle die Gegend oder legt dummerweise ein Feuer. Ist es beispielsweise 19.00 Uhr und der Ranger sieht einem auf dem Rad, kann es passieren, dass er einen mitnimmt und nach Puerto Piramides zurückbringt und man darf somit alles nochmal fahren. Oder man fährt Tagestouren die immer wieder nach Puerto Piramides zurückführen (man müsste also doppelte Strecken fahren und kann einen Loop um die Insel vergessen).

    Ich vertraute dagegen auf mein Glück und fuhr am zweiten Tag von Puerto Piramides nach Punta Cantor (100 km) und konnte dort mit ordentlich Vitamin B glücklicherweise eine Nacht verbringen. Am nächsten Tag radelte ich um Punta Norte herum wieder 120 km zurück nach Puerto Piramides. Am letzten Tag fuhr ich dann wieder die 100 km nach Puerto Madryn zurück, diesmal aber via Küstenstraße (die ist viel schöner als die verkehrsreiche Ruta Nacional 3). Insgesamt also entspannte 450 km die ich in vier Tagen bewältigen musste.

    Tag 1 – Puerto Piramides und Punta Piramide

    Auf der Peninsula Valdez verbrachte ich somit insgesamt vier Tage. Am ersten Tag erkundete ich Puerto Piramides und fuhr zu den Seelöwen um Punta Piramide ehe ich auf dem Campingplatz einkehrte. Am Abend dann noch schnell ins Meer gesprungen, Wasser war ziemlich kalt und ich hielt es nicht wirklich lange aus.

    Tag 2 – Salina Chica, Punta Delgada und Punta Cantor

    Am zweiten Tag die RP 2 nach Punta Delgada zum Leuchturm und den Seeelefanten. Dazwischen liegen die Salina Grande und Salina Chica, zwei Salzseen die je nachdem ob sie Wasser führen unterschiedlich farblich leuchten. Die Salina Chica ist mit dem Fahrrad zugänglich und so konnte ich eine Runde auf dem See drehen. Der Salzsee führte in der Mitte etwas Wasser und leuchtete leicht pink, während er am wasserarmen bzw. trockenem Rand des Sees, weisslich leuchtete. Leider waren keine Flamingos zu sehen. Flamingos sollte ich erst später auf der Isla de los Pajaros zu Gesicht bekommen.

    Nach einer kleinen Pause ging es dann weiter nach Punta Delgada, wo ich ziemlich nah an eine Seeelefantenkolonie kommen konnten, natürlich nur mittels Guide und incl. 250 Pesos Gebühr. Punta Delgada ist privater Grund, wie fast die gesamte Peninsula. Ferner wird das „Unesco Welterbe“, dass eigentlich ein geschützter Naturraum sein sollte, auch landwirtschaftlich genutzt (überall laufen Pferde und Kühe frei herum und trampeln alles platt). Die privatisierten Gegenden waren des Weiteren nicht immer eine ganz legale Sache, aber der Staat schaute stets darüber hinweg und die „Eigentümer“ spielen sich noch so auf, dass ihnen alles gehört, incl. der Seeelefanten – was einfach falsch ist.

    Die Seeelefantenkolonie war um diese Jahreszeit nur von Jungtieren bevölkert. Die erwachsenen Tiere (dazu gehören leider auch die reisigen, imposanten Männchen) sind zur Zeit alle im Meer und kommen erst im Winter wieder zur Paarung ans Land. An der Küste findet man zudem viele ausgeblichene Fellfetzen, die die Tiere bei ihrem Fellwechsel zurücklassen (das neue Fell ist dann dunkelgrau). Die Tiere liegen zur Temperaturregulation lange in der Sonne, drehen sich hin und wieder mal oder schaufeln sich warmen Sand auf den Körper. Gegen Morgen waren sie dagegen wesentlich aktiver und man konnte kleine Ränkespiele beobachten bzw. zuschauen wie sie ins Meer schwammen und nach Nahrung suchten (auch ziemlich abhängig von Ebbe und Flut).

    In Punta Cantor konnte ich abermals Gürteltiere beobachten und wartete doch vergeblich darauf, dass sich am Abend Schwertwale zeigten (ich wartete Stunden, bis zum endgültigem Höhepunkt der Flut). Schwertwale können immer dann am besten beobachtet werden, wenn die Flut herreinkommt. Dann kann es vorkommen, dass die Schwertwale bis an den Strand herankommen um z. B. zu jagen oder den Jungtieren etwas beizubringen. Bei der nächsten Flut am darauffolgenden Tag, kam abermals kein Schwertwal in Sichtweite. Schade darum, aber vielleicht ein andernmal! Im Norden der Peninsula um Punta Norte zog gegen Abend ein heftiges Gewitter mit Starkregen auf und ich entschied mich in der Gegend die Nacht zu verbringen.

    Tag 3 – Magellan Pinguine und Punta Norte

    Nachdem ich extra früh aufgestanden war, um nochmal meine Chance auf eine Schwertwal-Sichtung wahrzunehmen, wurde ich abermals enttäuscht. Immerhin gab es dann eine kleine Kolonie Magellan-Pinguine als Entschädigung. Auf dem Weg nach Punta Norte konnte ich viele Guanakos, Gürteltiere, Seelöwen und Graufüchse beobachten. In Punta Norte wiederum Seeelefanten und abermals Seelöwen. Da der Wind stark auffrischte, entschied ich mich dazu, weiterzufahren und kam gegen Abend wieder in Puerto Piramides an. Durch ein Gewitter am Vortag war die Strecke ziemlich matschig und schwer zu fahren, aber die Sonne hatte gegen Abend alles getrocknet.

    Tag 4 – Rückkehr nach Puerto Madryn

    Am nächsten Tag fuhr ich dann wieder zurück nach Puerto Madryn, diesmal über die Küstenstraße um die Area Natural Protegida El Doradillo. Ich besuchte vorher selbstverständlich auch die Isla de los Pajaros.

    Puerto Madryn und die Problematik um die angebotenen Touren

    In Puerto Madryn und Piramides kann man immer noch Touren buchen, um Wale im Meer zu sichten bzw. um mit Robben zu schwimmen. Ich habe mich bewusst dagegen entschieden weil es einfach nicht vernünftig reguliert wird und die Tiere als auch die Umwelt darunter leiden müssen.

    Alleine in Puerto Piramides gibt es fünf Argenturen die Walbeobachtungen und der gleichen anbieten. In der Hochsaison fahren dann alle Boote, schwer beladen mit Touristen, raus um nach Walen Ausschau zu halten. Sichtet ein Boot dann schließlich einen Wal, werden per Funk sofort alle anderen Boote verständigt. Alsbald sind dann z. B. fünf Schiffe um den armen Wal, mehr als die Regulierung erlaubt (es sind so 2 oder 3 Schiffe maximal, laut einem Ranger). Ferner verlieren die Wale die Scheu vor den Schiffen (sind ja freundliche Schiffe) und werden dann im Südatlantik von chinesischen Walfangschiffen abgeknallt.

    Die Schiffe verschmutzen ferner die Umwelt und zerstören den Strand und maritimes Leben durch ihre Schiffsschrauben. Alles nicht so super. Also am besten man bleibt am Strand und schaut auf die See und hofft auf sein Glück.

    Das Schwimmen mit den Robben für 2700 Pesos wird ebenfalls kaum reguliert und es sind dann einfach viel zu viele Menschen um die Robben herum (das dann auch oft viele Tage hintereinander). Auf diese Belästigung von Tieren habe ich dann keine Lust, vor allem wenn es kaum Ranger gibt, die es regulieren und unter Kontrolle halten können. Da regulier ich dann selbst und verzichte auf diesen teuren Schwachsinn.

    Fazit

    Peninsula Valdes ist wunderschön, viele Tiere und eine wunderschöne Landschaft. Leider gibt es zu wenig Ranger und nichts wird ausreichend reguliert bzw. überwacht. Alles wird auf maximalen Profit ausgerichtet, zu lasten der Umwelt und den Tieren natürlich. Ferner wird das „geschützte Gebiet“ auch zusätzlich noch landwirtschaftlich genutzt, was für ein Widerspruch und Irrsinn in sich.

     

  • Ruta Nacional 25 und Puerto Madryn

    Die Ruta Provincial 71 führte mich direkt nach Esquel, einem recht verschlafenen Ort. Hier kaufte ich wieder Vorräte für meine weitere Tour und die letzte noch fehlende Ausrüstung. Unterkunft fand ich bei netten Anwohnern, bei ihnen durfte ich im Garten campen.

    Der Plan sah vor, so schnell wie möglich ans Meer zu kommen, direkt rüber zur Peninsula Valdez, denn dort sollte entspannt Weihnachten verbracht werden. Warum so schnell nach Valdez? Die Zeit war relativ knapp und auf der Strecke gibt es wenig Einkaufs-möglichkeiten (da kommt mal 80 bis 100 km nichts). Ferner ist die Route nicht ganz ungefährlich, von Räubern und Pumas mal abgesehen. Außerdem weht ein starker Westwind, so konnte ich mal so richtig Gas geben.

    Die Ruta 25 führt direkt durch das obere Drittel Patagoniens. Es ist eine sehr trockene Gegend, es gibt viel Monte (trockenes, steppen-haftes Buschland) und somit relativ wenig Wasser. Der Rio Chubut dominiert die zweite Hälfte der Ruta 25 und formte mehrere Canyons mit wunder-schönen Felsformationen (besonders um Los Altares).

    Es gab neben der teilweise atemberaubenden Landschaft auch viele Tiere zu bestaunen. Darunter waren viele Gürteltiere, Rheas, Guanakos, Graufüchse, Greifvögel, Geier, und Schlangen (alles harmlose Arten). Die Strecke soll von Pumas nur so wimmeln, leider (oder zum Glück) konnte ich wieder keinen entdecken.

    Ich schaffte die Strecke Esquel – Gaiman in drei Tagen. Jeden Tag über 200 km, dank des starken Rückenwindes, kein Problem. Kurz vor Gaiman kam mir dann noch ein schweizer Pärchen auf ihren Fahrrädern entgegen. Diese mussten noch 500 km unter starkem Gegenwind zurücklegen, sie schafften gerade einmal 50 km pro Tag. In den Canyons weht der Wind aber fairerweise ziemlich willkürlich aus allen Richtungen.

    Gaiman

    In Gaiman traf ich dann noch auf Guillermo „Willhelm“ (sein Ur-Ur-Großvater war Deutscher) und wurde prompt auf ein Cordero Patagonico eingeladen, das typisch einheimisch zubereitet wurde. So gab es wieder viel gutes Essen und ordentlich zu Trinken. Ich lernte einige (seltsame) argentinische Sprichwörter und wie man Mate-Tee endlich richtig zubereitet bzw. trinkt. Die Argentinier schütteln trotzdem immer noch den Kopf wenn sie sehen, wie schnell ich einerseits den Mate-Tee trinke und andererseits die Menge an Zucker, die ich dabei verwende. Naja was soll’s, jeder nach seiner Façon!

    Gaiman (mit seinem walisischen Touch bzw. Erbe) bietet einige schöne Teehäuser, die mit teurem Kuchen und Tee aufwarten können. Des Weiteren lernte ich einiges über die Eisenbahn, die hier einmal bis nach Las Plumas fuhr und bis nach Esquel hätte reichen sollen. Leider wurde der Plan nie umgesetzt und die Eisenbahn wurde schließlich stillgelegt. Was wären die Schweizer froh gewesen, hätten sie mit dem Zug nach Esquel fahren können! Tja, so ein Pech aber auch!

    Trelew war jetzt nicht so einladend, einfach nur schnell durch und an die Küste, nach Puerto Madryn. Ich brannte förmlich darauf, das Meer endlich wiederzusehen.

    Puerto Madryn

    In Puerto Madryn gönnte ich mir ein luxuriöses Zimmer und ruhte mich einen Tag aus, bevor es schließlich für vier Tage auf die Peninsula Valdez ging.

    Puerto Madryn ist eine Hafenstadt, die sich neben der Industrie hauptsächlich auf den Tourismus fokussiert hat. Ansonsten ist es eine Stadt, wie fast jede andere in Argentinien auch. Typisch sind die übervollen Stadtbusse, die wirklich an jeder Haltestelle anhalten müssen und gefühlte hundert Passagiere ausspucken die dann den Gehweg mit ihren dutzenden mitgeführten Kinderwagen verstopfen. Die teilweise unglaublich langen Schlangen von Menschen, die sich vor den Geldautomaten bilden (Inflation liegt bei fast 50%, Banken erlauben jetzt teilweise schon die doppelte Bargeldmenge abzuheben – 4.000 Pesos).

    Weiterhin typisch die dutzenden Panaderias und Rotiserias, wo es u. a. leckere Facturas und Empanadas gibt. Ferner gibt es auch viele Eisstände und Restaurants – Argentinier sind verrückt nach Eis, sie verzehren geradezu Tonnen davon. Viele, vieeele Fleischhändler, die gleich das Grillholz für das Asado mitverkaufen. Das Einbahn-straßensystem, das ich bis heute gekonnt missachte. An Ampeln sind oft Straßenkünstler zu finden, die mal mehr mal weniger gekonnt, vor dem stehenden Verkehr, für ein paar Pesos jonglieren oder andere Kunststücke vorführen.

    Straßenhunde lungern gefühlt an jeder Ecke herum und liegen dabei faul in der Sonne. Wegen eben dieser, gibt es auch diese häßlichen Gitterboxen, die auf hohe Metallpfosten montiert werden. Fast jeder Anwohner hat so ein Ding vor seinem Haus, dass aussieht, wie ein mutierter Briefkasten. Dort landet der Hausmüll, schön außer Reichweite der Hunde, die würden sonst alles nur auf dem Boden vertteilen. Am Strand und der Promenade dann das übliche Bild, Straßen- verrkäufer, Spaziergänger, Körper-kult betreibende Enthusiasten und viele, viele Touristen. Jetzt im Januar fängt die Feriensaison erst richtig an, dann sind auch tausende Argentinier mit ihren Familien unterwegs und machen hauptsächlich in ihrem eigenen Land Urlaub.

    Achja, mein Fahrrad läuft und läuft und … Nur der Sattel ist letztens gebrochen, klassischer Ermüdungsbruch, konnte ich aber später auf Valdez schweißen lassen. 😊

     

     

     

  • Bariloche und Parque National Los Alerces

    Nach einer Nacht mit Froschkonzert am Lago Baileys Willys, fuhr ich am nächsten Tag weiter in das 20 km entfernt gelegene Villa la Angostura. Dort bezog ich Quartier in einem Hostel und erkundete noch am selben Tag den Parque Nacional Los Arrayanes. Durch den Park führt ein ca. 10 km langer Wanderweg, der entweder gewandert oder teilweise mit dem Fahrrad gefahren werden kann. Mit all dem Gepäck ist das aber schwierig, da man das Fahrrad teilweise mehrere hundert Meter bergauf über Stufen schleppen muss. Deswegen bezog ich ein Hostel und lies meine Ausrüstung vor Ort. Die Laguna La Patagua war im Nationalpark das eigentliche Highlight und lud zu einer längeren Pause ein. Bariloche selbst, sollte erst am darauffolgenden Tag besucht werden (ich musste schließlich noch um den ganzen Lago Nahuel Huapi fahren).

    Bariloche

    Den ganzen Hype um diesen Ort verstehe ich nicht so ganz. Gut, es ist ein Ort des Wintersports und auch im Sommer kann man einiges erleben, aber es ist nichts wirklich Außergewöhnliches daran. Erinnert mich ein bisschen an Bay of Islands in Neuseeland. Kurz gefasst: Eine ziemlich überlaufene und kommerzialisierte Postkartenidylle, die sie einem mit gesalzenen Preisen verkaufen möchten. Vielleicht liegt es auch an der Prominenz, die diesem Ort in der Vergangenheit etwas abverlangen konnte. Viele deutsche Auswanderer sollen hier auch ein neues Zuhause gefunden haben.

    So radelte ich am Circuito Chico entlang, bestaunte das Llao Llao Hotel, wanderte einige kleine Tracks und campte schließlich in der Nähe von Col. Suiza, entlang der Ruta Provincial 79.

    Von der Ruta Provincial 79 aus, war mein Zelt nicht zu sehen. Es lag unterhalb einer Böschung und die nächste Ortschaft war einige Kilometer entfernt. Die Böschung war recht steil und führte hinunter ins Tal zum Ufer des Lago Perito Moreno. Dort, einige hundert Meter weiter unten, hörte ich Männerstimmen und Arbeitslärm. Da ich weit oberhalb davon lag, in der Nähe der Straße und umgeben von Büschen und Bäumen, dachte ich mir nichts weiter dabei. Dies war ein großer Fehler, denn ich wurde möglicherweise bereits beobachtet. Dort oben lag ich wie auf einem Präsentierteller.

    Um ca. drei Uhr nachts wurde ich schließlich von Geraschel und Gezerre an meinem Zelt und den Taschen wach. Ich dachte zuerst an Hunde oder wilde Tiere und versuchte, sie als erstes mit meiner Stimme zu verscheuchen, was nichts nutzte. Dann machte ich das Licht an und leuchtete durch mein Moskitonetz nach draußen um den ungebeten Gast ausfindig zu machen (die zweite Zelttüre hatte ich vor dem Schlafen gehen, halb offen gelassen). Als ich so nach draußen leuchtete, hörte ich plötzlich Stimmen laut rufen, tja und dann ging alles ganz schnell.

    Dankbar für das bereitgestellte Licht, fuhr plötzlich eine Machete durch meine Zelttüre und schnitt das Moskitonetz der Länge nach auf. Die Taschenlampe wurde mir sofort weggenommen und ein weiteres Messer landete an meiner Kehle und spätestens da wußte ich, dass ich in ernsten Schwierigkeiten steckte.

    Die Räuber, es waren wohl zwei (Zwei? Na und? :)), hatten es auf meine gesamte Ausrüstung abgesehen. Sie durchwühlten alle Taschen, warfen alles in den Dreck und nahmen mit, was sie für wertvoll hielten. So wechselten einige Dinge ihren Besitzer und ich wurde schließlich noch an Händen und Beinen gefesselt (mit meinem Spanngurt und einer Zeltschnur).

    Fehlt nur noch das Messer im Bauch dachte ich, aber sie ließen von mir ab und warfen stattdessen einige Sachen ins Zelt auf mich drauf, um mich wohl irgendwie „abzudecken“. Durch die eingesackten Sachen (Tablets, Bargeld, Solarladegerät, Messer, Kreditkarten, Rucksack, Drehmomentschlüssel etc. waren sie zufrieden und suchten schließlich das Weite. Sogar mein ganzen Essen nahmen sie mit, diese H…söhne. Das Fahrrad interessierte sie kein Stück, die Räuber waren auf das schnelle Geld aus.

    Unter den Sachen, die sie ins Zelt zurückwarfen, war unter anderem meine Tasche mit Spezialwerkzeug, so konnte ich mich mit meinem Bowdenschneider befreien und rannte einige Kilometer, wie unter Schock, zum nächsten Haus. Als ich da so durch die Dämmerung rannte, realisierte ich erst, das ich richtig viel Glück gehabt hatte und war unendlich froh, unversehrt und am Leben zu sein.

    An der nächsten Siedlung angekommen, wurden die Anwohner der Reihe nach wachgemacht, die schließlich für mich die örtliche Polizeit alarmierten. Bis die dann da war, verging wohl eine Stunde, dann wurde ich zur Wache gefahren. Von dort dann zurück zum Tatort, Fotos machen, die Sachen einpacken, und wieder erneut zurück zur Wache, um Anzeige zu erstatten. Anzeige gegen unbekannt natürlich, ich hatte ja leider niemanden erkennen können. Auf der Wache gewährte man mir einen Anruf nach Hause, gab mir einen starken Kaffee und half mir beim Packen meiner Sachen.

    Einiges war zwar weg, aber die Kernausrüstung war noch komplett und ich hatte noch mein geliebtes Fahrrad. Die Möglichkeit an Geld zu kommen, war zwar durch den Raub meiner Kreditkarten eingeschränkt aber nicht gänzlich unmöglich. So konnte ich meine Reise schließlich trotzdem fortsetzen.

    Ich brauchte zwei Tage um alles halbwegs zu verdauen und um die verlorene Ausrüstung nachzukaufen. Ferner musste ich meine ganzen Sachen wieder sortieren, waschen und in Ordnung bringen. In Bariloche half mir dann auch Mariano ein großes Stück weiter. In seinem Hotel konnte ich günstig unterkommen, ferner organisierte er noch eine Unterkunft für El Bolson.

    Von Bariloche mehr als die Schnauze voll, ging es weiter nach El Bolson, dort übernachtete ich in einer Brauerrei und gönnte mir ein gutes schmackhaftes Bier (dafür ist El Bolson ja berühmt). Es ist übrigens ein Wahnsinn, wieviel Hopfen hier angebaut wird.

    Parque Nacional Los Alerces

    Die letzte Station kurz vor dem „Chubut-Rennen“, war der Parque Nacional Los Alerces. Ein wunderschöner Park, viele Seen mit Bergkulisse, große Bäume und alles leuchtete nur so in bunten Farben. Die Strecke war aber ziemlich anstrengend, ab Rivadavia war die Ruta Provincal 71 nur noch ein Stein- und Schotterweg, mit ziemlich steilen Abschnitten (ähnlich der Straße am Lago Traful).

  • Volcán Lanín und Ruta Provincial 63 / 65

    Von Villa Pehuenia zum Volcán Lanín via Ruta Provincial 23

    Von Villa Pehuenia ging es mit guter Stimmung und Elan am Rio Aluminé entlang, bis zur gleichnamigen Stadt Aluminé und darüber hinaus. Da holperte ich so beseelt über die Schotterpiste, dass ich gar nicht bemerkte, dass sich mein Handy still und heimlich davon machte. Der Reißverschluss meiner Ladetasche war wohl nicht richtig zu und durch das ständige Holpern über die Piste, hüpfte das olle Telefon frecherweise samt Ladekabel heraus. Das merkte ich allerdings erst so ca. zehn Kilometer später.

    Ich drehte schließlich um und suchte die Straße langsam ab, in der Hoffnung es wiederzufinden. Ich fand es auch, leider war es von unzähligen Autos total kaputt gefahren worden. Immerhin konnte ich die Speicher- und Simkarte aus den Überresten Bergen. Der Tag war aber trotzdem gelaufen.

    Naja Schwamm drüber, weiter geht’s. Ich fuhr noch am selben Tag, über die äußerst schöne RP 23 weiter nach Süden. Die Straße war wirklich sehr gut zu fahren und die Landschaft am Rio Aluminé war sehr sehenswert. Kurz nachdem sich die Straße vom Fluß getrennt hatte und es langsam den Hügel hinauf ging, campte ich schließlich am Straßenrand.

    Volcán Lanín

    Am nächsten Tag stand viel auf dem Programm, hoch zum Volcán Lanín und mein Visum am Grenzübergang „verlängern“. Des Weiteren wollte ich dem Lago Tromen einen Besuch abstatten, der ebenfalls in der Nähe zu finden ist.

    Zum Vulkan gibt es eine Nord- und Südroute. Ich wählte die Nordroute, vor allem aufgrund der schöneren Sicht auf den Vulkan. Der Eintritt kostet auch nichts und die Straße ist sogar teilweise asphaltiert. Ferner liegen der Grenzübergang zu Chile und der See „Tromen“ in unmittelbarer Nähe.

    Der Weg zum Vulkan führte über die RP 60 am Rio Malleo entlang bis hoch zum Pass nach Chile. Auf linker Seite lag der Vulkan, der alsbald auch schon in Sichtweite kam. Ab dem Nationalpark-Bereich, war die Straße wieder richtig übel, so daß mehr geschoben als gefahren wurde. Aber auch diese zehn Kilometer wurden überstanden und ich machte eine Pause am Campingplatz des Nationalparks.

    Nach der Pause kümmerte ich mich um das Visum und fuhr die letzten Kilometer hoch zum Pass und dem eigentlichen Grenzübergang. Die Ausreise aus Argentinien ging schnell von statten. Ticket ziehen, zwei Stempel aufs Ticket und in den Pass, weiter geht’s. Ganz anders die Einreise nach Chile, da wird man ausgefragt, muss deklarieren und das Gepäck wird durchleuchtet bzw. durchsucht. Alles natürlich mit finsterer und strenger Miene. Die guckten nicht schlecht, als ich, kaum eingereiht, umdrehte und prompt wieder ausreiste. In Argentinien dann wieder die Einreise, wieder Zack-Zack und erledigt. Die Reise kann mit neuem 90-Tage Visum entspannt weitergehen. Ein bisschen extra Zeit kann ich immer gebrauchen.

    Wieder zurück beim Campingplatz des Nationalparks führte ein drei Kilometer langer Weg runter zum See Tromen. Ach, was für ein traumhaft schöner Anblick! Zwar wehte ein strenger Westwind, aber der See und der Bereich darum sind eine Idylle, so das ich beinahe dort geblieben wäre. Klares Wasser, reine Luft, herrliches Ufer, kaum Menschen, schöne Landschaft, einfach wunderschön.

    Aber ich fuhr nach einem längeren Pause wieder nach unten und campte an einem ebenso schönem Flecken direkt am Rio Malleo. Die Nächte werden jetzt in der zweiten Nachthälfte recht kühl und ich werde meistens wach und muss den Schlafsack auspacken, vorher reichte mir immer ein Baumwoll-Inlet. Morgens dauert es dann auch lange bis es wärmer wird, vor allem wenn die Sonne noch nicht so hoch steht und man im Schatten fährt. Gegen Nachmittag wird es dann wieder unerträglich warm. Bisher hatte ich aber mit dem Wetter ziemliches Glück, fast jeden Tag gab es Sonne satt.

    Ruta Provincial 63 und 65

    Junin de Los Andes und San Martin de Los Andes wurden am darauf folgenden Tag besucht, bevor es den Hügel hinauf ging um auf die Ruta Provincial 63 zu wechseln. San Martin de Los Andes liegt zwar schön am Lago Lácar, aber es ist touristisch und kommerziell total überfrachtet. Da will ich dann, nach einem kurzen Aufenthalt, einfach nur schnell weg. Absolut nicht mein Fall.

    Die Ruta Provincial 63 ist wunderschön und sehr gut zu fahren (nicht ein Auto begegnete mir), trotz fehlendem Asphalt. Mir gefiel sie besser als die darauf folgende Ruta Provincial 65, die ja wegen Villa Traful und dem Lago Traful so gehypt wird. Erst geht’s am Lago Meliquina vorbei durch den kleinen Ort Villa Lago Meliquina, dann weiter am Rio Meliquina entlang. Irgendwann geht es dann nur noch bergauf und man erklimmt den Paso del Córdoba, der mit sensationellem Panorama-Ausblick aufwarten kann. Landschaftlich durch die vielen obskuren Steinformationen und Bergkuppen, die entfernt an Festungen erinnern, eine sehr interessante Strecke.

    Die Ruta Provincial 65 ist auch nicht zu verachten, da sie am schönen und über 20 km langen Villa Traful entlang führt. Die Strecke war auch nicht asphaltiert und verabschiedete sich mit einem steilen Hügel, ehe es wieder auf die Ruta Nacional 40 ging. Ich schlug mein Lager an der Laguna Bailey Willis auf und schlief bei herrlich lautem Froschgequake ein.

     

     

  • Villa Pehuenia via RP 23
  • RN 40 und Copahue

    Von Malargüe aus, wo ich direkt neben dem Rio Malargüe übernachtet hatte, ging es direkt auf die RN 40 Richtung Süden. Bei Turcará gab es dann auch gleich schon die bisher beste Abfahrt, schön im Flow mit 50 bis 60 Sachen nach unten, bis zum Rio Grande und Bardas Blancas.

    Dort machte ich erstmal eine Mate Pause, stockte meine Wasservorräte auf und erkundigte mich über den Verlauf der RN 40. Ich wollte es eigentlich noch am selben Tag bis zur Laguna Nueva schaffen, daraus wurde aber nichts. Mitten im Streckenverlauf gab es nämlich 70 km Schotter-, Sand- und Steinpiste mit Schlaglöchern, Bodenwellen, großen Steinen oder Sand- und Kiesbetten (herrlich um darin zu versinken). Auf solchen Pisten sucht man ewig nach der Spur, wechselt ständig von links nach rechts und muss sich pausenlos konzentrieren. Aber ich blieb standhaft und pflügte durch wie eine Wildsau. So sah ich dann auch aus, der ganze Staub und Dreck ist sehr fein und schwebt auch lange in der Luft und klebt sich an allem fest. Auto- und Lastwagenfahrer konnte man durch ihre Staubwolke kilometerweit voraussehen. Die meisten nahmen Rücksicht und verringerten das Tempo, einige Schweine gaben aber auch extra Gas und wirbelte soviel Dreck auf, dass ich anhalten und warten musste. Die vielen Wind bzw. Sandteufel schleuderten mir dann noch zusätzlich ihren Dreck ins Gesicht.

    Noch vor der Laguna Nueva und dem Anstieg machte ich endgültig Schluss. Ich verbrauchte an diesem Tag meine ganzen Wasservorräte, so anstrengend und warm war es gewesen. Da war ich froh um den Rio Grande, der mir erstklassiges Trinkwasser bescherte (zwar ist viel Sediment im Wasser, aber mein Spezialfilter lässt das nicht durch). Ich campte dann etwa 100m von der Straße entfernt, sichtgeschützt hinter ein paar Büschen. Am nächsten Morgen waren zwei kleine Skorpione unter Zelt und Tasche, igitt!, nichts wie weg!

    Am nächsten Tag kämpfte ich mich den Weg hoch bis zur Lagune und war wirklich froh, die asphaltierte Straße wieder zu sehen. Es ging dann auf der RN40 zum Cerro Chihuido de Tril. Fünf Kilometer Luftlinie vom Berg entfernt, kampierte ich und genoß die herrlich Aussicht auf den Berg. Alles sehr ruhig und friedlich, weit ab und entfernt von dem Boca Juniors vs. River Plate Spielgeschehen.

    Chos Malal folgte dann schon am nächsten Tag. Dort angekommen bezog ich für zwei Nächte eine Herberge und ruhte ich mich für einen Tag komplett aus. Ferner wechselte ich die Kette am Fahrrad (die war schon ziemlich ausgeleiert), kaufte wieder Vorräte und neue Ausrüstung. Mein 4l Wassersack war ja leider kaputt und nicht mehr zu reparieren gewesen. 

    Als nächstes Ziel sollte der Ort Copahue mit seinem Vulkan (heißt genauso) und den Thermen anstehen. Ich dachte zuerst an die RP 6, da es einen wesentlich kürzerer Weg nach Copahue darstellte. Die „Straße“ testete ich dann schließlich für zwei Kilometer an und entschied mich umzudrehen, da die Straße einfach zu haarsträubend war. Also weiter auf der RN40 Richtung Süden bis zu einem kleinen Dorf namens Chorriaca.

    Dort tankte ich Wasser, machte meine obligatorische Mate-Pause und wurde sogar zum Essen eingeladen, super! Von diesem Dorf führte ein steiler, aber schöner Erd- und Schotterweg nach Westen durchs Gebirge bis nach Loncopué. Die Straße war, nach dem steilen Anstieg und einer kleinen Furt, wesentlich besser und ich sah unterwegs viele Papageien die sich an grünen Beeren labten sowie dutzende dieser kleinen Schlangen (ob die wohl giftig sind?). Natürlich gab es auch viele frei umher laufende Ziegen, Pferde und Kühe zu bestaunen die oftmals von Gauchos zusammen getrieben wurden. Ich kampierte noch recht oberhalb von Loncopué, auf einem Steinfeld, von dem man schon den Vulkan mit seinem Gerauche sehen konnte.

    Am nächsten Morgen begann ich mit dem Abstieg nach Loncopué und einem weiteren Platten. Diesmal war es ein Dorn, dick wie ein Schaschlikspieß, der sich durch meinen „unplattbaren“ Schwalbe Reifen durchgebohrt hatte. Nach schneller Reparatur ging es dann in den Ort, nur um dann gleich wieder nach Copahue hochzufahren.

    Es ging entlang seltsamer Felsformationen, Schreinen, einem schönen Tal, bis weit hoch, an vielen Berghütten und kleinen, wohlschmeckenden Bergquellen vorbei auf eine Hochebene um den See „Caviahue“ und der gleichnamigen Kleinstadt. Dort pausierte ich eine Stunde und schaute beim Mate-Schlürfen zu, wie der Copahue eine Stinkewolke nach der anderen aus sich heraus pustete. Hier und da roch es nach faulen Eiern, typischer Schwefelgeruch, wie ich ihn aus Neuseeland und Island bereits kenne. Leider hörte die asphaltierte Straße nach Caviahue auf und es folgten 2,5 Stunden reine Aufstiegszeit (sind läppische 18 km), bis ich ganz oben im Dorf Copahue war. Caviahue selbst ist eigentlich ein typischer Ort des Wintersports, im Sommer sieht dann alles irgendwie komisch aus, mag daran liegen das der Schnee fehlt. Die Häuser sind aber teilweise sehr schön mit Stein vertäfelt.

    Der Weg war gespickt mit vielen schönen Ausblicken auf die umliegenden Berge, Seen und Araukarienwälder. Irgendwo, kurz vor ganz oben, entdeckte ich auch gleich meine Campsite für die Nacht, ein kleines Plateau mit 1A Ausblick auf den Trolope Grande. In Copahue selbst, war es wie ausgestorben, die Thermen alle geschlossen. Der ganze Betrieb geht erst allmählich ab dem 1. Dezember los, tja dann halt kein Schwefelbad für mich., wozu auch, mir fehlt ja auch nichts! Viele Quellen (vor allem in Umgebung) sind aber frei zugänglich und man kann genug vom Schwefel geschwängerte Luft einatmen, dem Blubbern und Dampfen zusehen oder die farblich interessanten Ablagerungen untersuchen.

     

  • 1. Monatsbericht (22.10.18 – 20.11.18)

    So, ich glaube, dass ich ganz gut voran komme. Wetter ist gut bis hervorragend und das Fahrrad hält auch noch durch. Der Wind ist noch erträglich, aber die Sonne und Hitze können zu schaffen machen. Ich komme auch so langsam wieder in Form, 120 km im Schnitt ist ja nicht ganz so übel. Wildcampen klappt jetzt auch so langsam, die bösen Zäune werden seltener. Vielleicht schaffe ich es auch pünktlich zu Weihnachten nach Valdez. Mal sehen.

    Achja wie ist es so, das Argentinien? Also mir gefällt es richtig gut, vor allem hatte ich mit den Einwohnern fast ausschließlich gute Erfahrungen. 🙂

    Gefahrene Kilometer: ~3200 km

    Überwundene Höhenmeter: 24.691 m

    • 22.10. 66 km
    • 23.10. 162 km
    • 24.10. 120 km
    • 25.10. 99 km
    • 26.10. Erholungstag
    • 27.10. 160 km
    • 28.10. 121 km
    • 29.10. 127 km
    • 30.10. 130 km
    • 31.10. 155 km
    • 01.11. 134 km
    • 02.11. 66 km
    • 03.11. 96 km
    • 04.11. Erholungstag
    • 05.11. 137 km
    • 06.11. 132 km
    • 07.11. 133 km
    • 08.11 112 km
    • 09.11. 140 km
    • 10.11. Erholungstag
    • 11.11. 190 km
    • 12.11. 116 km
    • 13.11. 137 km
    • 14.11. 59 km
    • 15.11. 128 km
    • 16.11. 136 km
    • 17.11. 65 km
    • 18.11. 100 km
    • 19.11. 171 km
    • 20.11. Erholungstag

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  • Argentinien, Cañón del Atuel

    Wo waren wir stehen geblieben? Achja Mendoza. Schon von den Caracoles Casa De Piedra konnte ich auf die nördlichen Außenbezirke der Stadt schauen. Ich fuhr also vollends runter, weiter den Camino las Lajas entlang und wurde als erstes von einer stinkenden Müllkippe empfangen, die sich links und rechts der Straße auftürmte (welch Kontrast). Von den Außenbezirken wurde ich noch am Vortag gewarnt, „fahr lieber schnell durch bis ins Zentrum“ hieß es. Aber in La Cieneguita und Las Heras hatte ich ein sicheres Gefühl und ich frühstückte erstmal meine drei Facturas. Beim argentinischem Bäcker gibt’s in der Regel schon eine große Auswahl an süßen Stückchen, vor allem Puddingtaschen, Croissants, kleine Küchlein, Hörnchen und Kekse etc. und fast alles gefüllt mit Dulce de Leche. Da vermisse ich schon einmal die deutsche Nuss-Nougat Creme oder Schokoladenfüllung. Es ist alles auch einen Tick weniger süß als bei uns zu Hause.

    Im Zentrum war kaum etwas los, denn es war Sonntag und dazu noch Feiertag. Das am Sonntag ein Feiertag war, merkte ich erst am darauffolgenden Montag. Denn hier in Argentinien werden Feiertage, falls sie aufs Wochenende fallen, nachgeholt (da stand ich vor geschlossener Bank in Tunuyán und wunderte mich). Also streifte ich ein wenig durch die Innenstadt und blieb in einem der kleineren Parks hängen. Dort gab es eine Darbietung des sog. Tanzes der Weinlese, der für eine Weile meine Aufmerksamkeit erregte. Nach der Darbietung und einem Mittagessen im Restaurant (es gab klassische Milanesa mit Salat) ging es wieder raus aus der Stadt (war ja fast alles zu). Vorher bekam mein Fahrrad noch eine notwendige Dusche und Inspektion. Ich fuhr raus bis nach Ugarteche, da war gerade Markt / Flohmarkt und deckte mich wieder mit Essen und Wasser ein. Dannach wieder Nachtlager suchen, entlang der RN 40, schwierige Sache. Aber ich fand in der Nähe der Gebetsstätte „Santuario Cruz Negra“ einen Hügel, der genau zwischen beiden Fahrbahnen der RN40 lag und campierte unverschämter Weise einfach oben drauf.

    Am nächsten Tag traf ich einen österreichischen Tourenfahrer in Tunuyán, der sogar noch schwerer beladen war als ich. Es folgte das übliche obligatorische Pallaver unter Tourenfahrer, z. B. „wohin gehts? „, „fährst allein? „, „Probleme gehabt?“ usw. Er fährt schließlich auch nach Süden, aber in einer eher gradlinigeren Route und etwas langsamer (schließlich war er auch schon um die 60). Schließlich trennten sich bald unsere Wege und ich bog ab und radelte durch bis nach San Rafael. Schließlich wollte ich den Canon del Atuel sehen, ehe ich auf die RN40 zurückkehrte.

    In San Rafael angekommen, war ich ziemlich verdutzt, als ich feststellen musste, daß es wohl keinen Campingplatz gibt. Ich sehnte mich ja nach einer Dusche und wollte auch mal meine Wäsche waschen. Deshalb verzichtete ich auf das Wildcampen außerhalb der Stadt und fuhr in die ersten Außenbezirke, in der leichtsinnigen Annahme, daß mir schon was entgegen kommt. Naja da kam nix und ich war zudem ziemlich fertig und müde, also fragte ich ein Ehepaar, das gerade auf ihrem Gartengrundstück fleißig zu Gange war, ob sie mir weiterhelfen könnte. Tja, wirklich kein Campingplatz in San Rafael, aber ein Apartment im Haus von Carlos und Silvia (so hießen die beiden) wurde mir angeboten und ich nahm natürlich dankend an. Wir luden mein Fahrrad auf das Auto und fuhren das Stück bis zu ihrem Haus, wo ihr Sohn Gonzalo schon wartete. Mit Gonzalo hatte ich auf englisch noch per Telefon gesprochen (man wollte sichergehen, dass ich alles verstanden hatte). Gonzalo in seiner liebenswürdig und höflichen Art, fungierte als perfekter Dolmetscher, vor allem wenn Hände und Füße nicht mehr ausreichten oder der Translator streikte.

    Ich verbrachte zwei wunderbar erholsame Tage im Appartement, dass direkt neben dem Haus lag. Es waren tolle Gastgeber, kein Wunsch blieb unerfüllt und ich fühlte mich wie zu Hause. Ich lernte von allem etwas mehr z. B. über Mate Trinken (endlich kaufte ich mir auch ein eigenes Mate-Set, nachdem ich angefixt wurde), Sprache (z. B. Schimpfwörter, schließlich sollte man wissen, ob man beschimpft wird), Essen und Trinken (Wein, Bier… Carlos machte sogar extra noch einen Asado argentino, hmmm lecker!), Kultur (was man beachten sollte, wenn Boca Juniors – der beste Verein der Welt – gegen River plate spielt, als Unbeteiligter nämlich ein ruhiges Plätzchen suchen – beim Fußball kochen Emotionen schnell über) und vieles, vieles mehr. Aber schließlich muss man mal wieder aufs Fahrrad, sonst kommt man noch ganz aus der Form und überhaupt. Felipe (ihr Hund), guckte zwar etwas traurig, aber ich musste weiter! Nochmals großes Dankeschön!

    Von San Rafael ging es den Rio Atuel entlang Richtung Süden. Ich durchfuhr praktisch den Canon del Atuel, in den sich der Fluss über die Zeit gegraben hat, bis nach El Nihuil. Am Beginn ist die Straße sehr touristisch durchseucht mit Rafting und allerlei Adventure bzw. Erlebnisurlaub (ich konnte immerhin meine Füße kurz ins Wasser reinhängen). In der Mitte kommen dann die Stauseen und Wasserkraftwerke. Erst am Ende, als die Straße längst nicht mehr asphaltiert war, wurde es landschaftlich sehr schön und eindrucksvoll.

    Von Nihuil ging es auf die RN144 und ich campte direkt an der Kreuzung, versteckt im Gehölze. Es war schon Abends und der Gegenwind hatte mich mürbe gemacht. Am nächsten Tag hatte der Wind auf wundersame Weise um 180 Grad gedreht und ich flitzte mit richtig starkem Rückenwind nach Malargüe. Unterwegs fingen dann plötzlich die starken Krämpfe an, begleitet mit Durchfall und ich flitzte oftmals eher ins Gehölz am Straßenrand. Furchtbar, da krümmte und quälte ich mich den ganzen Vormittag im Sattel. Am Nachmittag war dann alles wieder gut, seltsam. Naja, in Malargüe deckte ich mich mit allem zweimal ein, denn die RN40 stand an, da sorgt man besser vor.

    Ich werde immer wieder gefragt, was ich denn so esse und trinke. Morgens immer meine Kaffee-Bombe mit ordentlich Zucker, sonst nichts. Jetzt wo der Speck an mir etwas weniger geworden ist, esse ich auch mal zwischendurch etwas. Meist bei einer Pause um die Mittagszeit und nach den ersten 60-70 Kilometer. Dann meist Obst (vor allem Orangen und Bananen), Kracker, Brot, Erdnüsse und lokale Erzeugnisse wie Salami und Käse verschiedenster Sorten. Dazu trinke ich dann den ersten Mate-Tee mit viel Zucker. Oh und ich esse vieeel Eis und Schokolade zwischendurch.

    Seltener gehe ich auch mal etwas essen und da muss ich immer noch aufpassen was ich so bestelle. Ich wollte letztens ein „Andes“ Bier in einem Restaurant kosten, weil Carlos davon so geschwärmt hatte und saß prompt vor einem ganzen Liter Bier. Nach Nachfrage: Kleinere Biere hatten die nicht und ich musste noch fahren, na denn… Prost!

    Abends wird dann meist warm gegessen, also Suppen oder Pasta (sehr selten Reis) mit Gemüse oder Fleisch. Dazu Snacks, Obst und einen letzten Mate Tee.

  • Aconcagua und Ruta Provincial 13

    Vom Nationalpark El Leoncito ging es über die RN149 direkt nach Uspallata. Laut Karte und auch offiziell, ist die Straße eigentlich asphaltiert. Asphaltiert war leider nur der Anfang und das Ende, der Löwenanteil war Schotterpiste, die bis zum Ende immer schlimmer wurde. Aber der Wind blies (noch) günstig und ich erreichte Uspallata, trotz einiger Zonda-Kostproben, noch am frühen Nachmittag. Unterwegs entdeckte ich viele Guanacos (sehen die mich schon aus der Ferne, nehmen die Reißaus) und einen Vogelstrauß der mit ziemlich überhöhter Geschwindigkeit meinen Weg kreuzte. Zwischen Barreal und Uspallata gibt es nichts, keinen Laden und kein Haus, also kam schon im Nationalpark wieder mein Wasseraufbereiter zum Einsatz, damit war vorgesorgt. Die Straße wird auch kaum befahren, ganze vier Autos zählte ich an diesem Tag.

    In Uspallata entschied ich mich doch dafür, den Aconcagua zu besuchen. Allerdings wollte ich schon etwas den Pass anfahren und irgendwo am Fuße campen um Zeit zu sparen. Ziel war die kleine Brücke um „Punta colonial de Picheuta“. Der Gegenwind aus Westen war hammerhart, je später am Tage, desto stärker weht der Zonda. Deshalb schwor ich mir, schon um 6 Uhr Morgens loszufahren (also um 4:45 aufstehen, ächz), damit ich am Mittag, wenn der Wind loslegt, oben bin. Der Plan ging fast auf, 5 km vor Ende fegte mir allerdings der Wind um die Ohren.

    Den Aconcagua in seiner ganzen Pracht zu sehen, kostet schlappe 200 Pesos. Der Weg zum Aussichtspunkt führt an zwei Lagunen vorbei und ich konnte wieder einen Kondor am Himmel ausmachen. Wer will, kann bis ins Basislager spazieren, dazu hatte ich aber keine Lust. Der Aconcagua war schließlich gut gelaunt und zeigte sich fast ohne ein Wölkchen. Im Info-Center traf ich noch auf zwei Kanadier, die meinten, es sei noch ein Tourenfahrer unterwegs nach oben. Getroffen habe ich ihn nie, er muss wohl weiter zum Chile-Pass gefahren sein, aber wer lässt schon den Aconcagua links liegen? Bisher fahre ich irgendwie ganz allein umher. In Los Penitentes traf ich dann aber einen Ex-Touringfahrer, der die Strecke Mexiko-Feuerland bewältigt hatte. Dieser gab mir zu verstehen, dass dieser Zonda-Wind, über den ich so beeindruckt war, nichts im Vergleich zu den Winden in Patagonien ist. Er kroch im Süden fast auf allen Vieren, wegen des Windes, na Prost Mahlzeit!

    Ich fuhr noch am selben Tag (mit einem respektablen Rückenwind) nach Uspallata zurück. Zur Erfrischung gab es ein kühles Bier (habe ich schon erwähnt, dass mir das argentinische Bier besser schmeckt als die deutsche Reinheitsplörre?) und dannach habe ich mich mit ordentlich Proviant eingedeckt. Die nächste Strecke führte mich nämlich über die RP13 nach Mendoza, die ich ebenfalls schon testungsweise anfuhr. Da die Straßeverhältnisse mich zufrieden stimmten, fuhr ich ich ein Stück raus aus Uspallata und campte abseits der Straße. Die Nächte abseits von Städten und Siedlungen sind, wenn kein Wind weht, sehr ruhig und sehr erholsam. Außerdem sind die Sterne und die Milchstraße bei klaren Nächten sehr deutlich zu erkennen, da es keine oder nur kaum Lichtverschmutzung gibt.

    Die RP13 bestand aus einer reinen Schotter- bzw. Steinpiste und scheuchte mich über zwei 3000 m Gipfel. Die teilweise extrem steilen Abschnitte waren nicht immer zu bewältigen und ich musste halt ein paar hundert Meter mein Fahrrad schieben (Arm- und Wadenmuskeltraining).

    Genau in der Mitte der Strecke gab es innerhalb eines Tals eine Bergquelle mit klarem und erfrischendem Wasser. Zeit für eine Rast mit Kaffee, Bananen, Brot und Erdnüssen als Kraftspender. Viele Motorrad- bzw. Buggyfahrer befuhren die Strecke, die machten dort ebenfalls Rast – als Fahrradfahrer, war ich ein amüsant anzuschauender Exot. Die Strecke wurde zum Ende immer schlimmer, deshalb würde ich jedem raten, die RP13 auf der Uspallata-Seite zu beginnen (so wie ich es tat), denn trotz Abstieg ist man sehr langsam ca. 5 bis 8 kmh (ca. 8 Stunden insgesamt für die Strecke). Ich wollte am Abend nicht auch noch durch Mendoza fahren und so entschied ich mich für einen Stopp zu Fuße der Caracoles Casa De Piedra. Erst am nächsten Tag fuhr ich schließlichddurch Mendoza, dazu später mehr.

    Mein Fahrrad hat alles gut gemeistert, lediglich vorne mussten endlich die Bremspads erneuert werden.

  • Argentinien, Von San Juan nach Barreal

    San Juan hinauszufahren, war kein großer Akt. Die Ringstraße im Uhrzeigersinn folgen und dann irgendwann links abbiegen, auf die legendäre Routa 40. Auf der Routa 40 war zuerst Baustelle, dann Stop and Go durch die Schul- und Reisebusse, vorbei an vergitterten Kioskos, ärmeren Vororten, kleinen Slum-Siedlungen, einem einsam da stehenden Salamiverkäufer, einem Industriegebiet, einer Rennstrecke, wilden Müllkippen und zwei recht großen Sibelco Minen.

    Dann ging es langsam und beschwerlich den ollen Hügel hinauf, viele Laster mit ihrem staubigen Abraum, links und rechts wieder nur Zäune und keine Schokolade zur Hand. Und wie es so langsam den Hügel hinauf ging, ging es langsam mit meiner Stimmung bergab. Ich hatte irgendwie genug und wollte am liebsten alles hinwerfen und in ein anderes Land reisen und schrie lauthals meinen Ärger hinaus. Irgendwann kommt immer so eine Phase, aber man fängt sich wieder, lacht und schwört sich innig, am nächsten Kiosko Schokolade zu besorgen.

    Was dazu beigetragen hat, daß es mir wieder besser ging, waren im Wesentlichen zwei Dinge. Einerseits die schöne Landschaft, auf die ich blicken konnte, als ich es über den Hügel schaffte und andererseits das Wunder, dass es links und rechts auf einmal keine Zäune mehr gab. Es blühte farbenfroh und die Sierra de Talacasto türmte sich am Horizont auf, wie eine gewaltige blaue Welle.

    Während ich mich wieder gefangen hatte und so die Straße entlang fuhr, begegneten sie mir wieder, diese kleinen seltsamen Nagetiere. Ich dachte zuerst, es wären Ratten. Aber sie hoppelten wie Eichhörnchen umher und hatten einen kurzen Schwanz. Mutierte Wüstenmeerschweinchen! Erst im Nationalpark Leoncito erfuhr ich, daß diese äußerst scheuen Tierchen Cuis heißen und in Erdlöchern wohnen.

    An der Abzweigung zur 436, folgte ein letzter Kiosko in Talacasto (eigentlich bestand der Ort nur aus Ruinen und eben diesem Kiosko), der sogar noch Schokolade im Sortiment hatte! Gerettet. Auf der Routa waren insgesamt viele verlassene Orte und Ruinen, meist bepinselt mit alter Werbung für den Wahlkampf. Des Weiteren sind einige Orte zwar auf Karten und Google verzeichnet, aber in Wahrheit ist da rein gar nichts oder es sind nur verlassene Gebäude bzw. Hütten vorzufinden. Das Wasser wird dann bald knapp, denn Flüsse gibt es kaum, sie sind alle ausgetrocknet und führen nur nach ausgiebigen Regen Wasser. Autofahrer haben auch I.d.R. Immer eine Flasche Wasser im Auto (im Notfall kann man jemanden anhalten und nach Wasser fragen, falls jemand vorbei kommt).

    Vollbepackt mit Proviant und Wasser bewältigte ich noch einen Teil des Anstiegs bis zur Kreuzung auf den 149 (immerhin schon wieder auf 1600 m). Da fing es auch schon zu nieseln an und ich konnte mir einfach irgendwo ein Plätzchen aussuchen. Prima! Nachts war es trotz Regen / Bewölkung bitterkalt und auch am Morgen war es nicht besser geworden, so packte ich schnell alles zusammen und fuhr weiter hinauf, bis schließlich oben angekommen, es aufklarte und die Sonne langsam herauskam.

    Der Abstieg bis zum Rio San Juan war fabelhaft. Eine wirklich gute Straße führte hinunter und ich erreichte einen guten Speed, der Fahrtwind war aber jenseits von saukalt! Unten angekommen, wurde die Brücke überquert und Richtung Calingasta gefahren, am Horizont zeigten sich schon die schneebedeckten Berge der südlichen Zentralanden.

    In Calingasta angekommen, spürte ich schon einen neuen, unangenehmen Begleiter: Den sogenannten „Zonda“, ein sehr starker Westwind. Da machte ich mir vorerst nichts draus, denn ich fuhr erst einmal nach Süden, wurde also nur von der Seite angeblasen. Es ging über Barreal zum Nationalpark El Leoncito, dort wartete ich vergeblich auf den Puma und die eigentlich in der Pampa Leoncito umher fahrenden Strandsegler. Dafür besuchte ich das Observatorium, wanderte und erledigte den üblichen Kram (Wäsche waschen, Wartung des Fahrrad, etc.). Der Nationalpark verfügte über einen kostenlosen Campingplatz, der top ausgestattet war (sogar mit heißer Dusche!), aber leider verseucht mit DEET resistenten Sandfliegen. Immerhin blies der Zonda noch recht kräftig und die Sandfliegen mussten ihre Kräfte schonen.

     

  • Argentinien, Nationalpark Sierra de Las Quijadas

    Zum nächsten Nationalpark (Parque Nacional Sierra de Las Quijadas), der zwischen zwei quasi Wüstenabschnitten lag, ging es nur sehr beschwerlich voran. Da mir im Infocenter in San Luis bereits mitgeteilt wurde, dass zwischen San Luis und Nationalpark nichts mehr kommt (also kein Laden, Kiosko oder sonst was), deckte ich mich vorsorglich mit 10 l Wasser und genug Essen für 3 Tage ein. Das Wasser im Nationalpark sei außerdem verunreinigt (Das Wasser wird per Aqueduct von San Luis heran gepumpt). Voll gepackt und schwer wie ein Packesel ging es bei ca. 30 Grad, viel Sonne, Gegenwind und einer leichten Steigung Richtung Nationalpark. Unterwegs kamen aber noch genug Gelegenheiten um Proviant und Wasser zu bekommen, allerdings zu gesalzen Preisen. Ich musste oft pausieren, immerhin gab es hin und wieder Bäume für den Schatten. Etliche frei umher laufende Ziegenherden, die oftmals dem Verkehr gar nicht ausweichen wollten und frech die Straße blockierten, sorgten immerhin für eine gewisse Unterhaltung.

    Als ich völlig entkräftet ankam, zahlte ich brav die Gebühr von rund 300 Pesos (Camping kostet nichts, ist eine einmalige Eintrittsgebühr) an einen sehr freundlichen Ranger und durfte mein Campingquartier beziehen. Der Campingplatz war wunderschön, es gab sogar einen Kiosko in der Nähe. Einziger Haken: Mosquitos und vieeeele Krabbeltiere. Die Mosquitos waren (obwohl sie mich trotzdem verstachen und zwar nach Strich und Faden), weniger das Problem. Als die Dämmerung herein brach, ging es los (wirklich wie auf Knopfdruck). Alles was bis zu acht Beine oder zwei Flügel hatte kam heraus (Falter, Wanzen, Spinnen, Käfer…). Zu erwähnen sind vor allem die bis zu drei Zentimeter großen, blutsaugenden und schnell wie eine Kakerlake laufenden Raubwanzen (da lag ich, Gott sei Dank, schon im Zelt). Die waren im Sand eingegraben, genau dort wo ich mein Zelt stehen hatte. So krabbelte alles wie wild zwischen Innen und Außenzelt hin und her. Die Wanzen suchten verzweifelt nach einem Eingang und ich versicherte mich dreimal, dass jeder Reißverschluss auch wirklich zu war. Am nächsten Morgen war wieder Ruhe eingekehrt. Eine Tasche im Außenzelt hatte ich aus Versehen offen gelassen und diese war, nach Kontrolle prompt voller Wanzen (die wollten wohl mit). Des Weiteren waren in meinen frisch gewaschen Socken, die ich noch am Abend zuvor aufgehangen hatte, jeweils eine fette Wanderspinne.

    Nach diesen Erfahrungen ging ich erst einmal den Park erkunden und wanderte bei brütender Hitze viele schöne Trails. Ich konnte Guanacos, Maras, Geier, Eidechsen, Füchse, eine Schlange und sogar einen Kondor entdecken. Als ich zurück kam, waren weitere Maras zu sehen, die hatten sich bereits an meinem Müllbeutel zu schaffen gemacht, nach Essbaren durchstöbert und so alles auf dem Boden verteilt.

    Für den ganzen Tag waren schon schwere Gewitter vorausgesagt worden, aber erst gegen den späten Abend, als es bereits dunkel war, konnte man in der Ferne ein gigantisches Blitzlichtgewitter näherkommen sehen. Wie ein Artillerie Dauerbombardement – so etwas hatte ich noch nicht gesehen. Um 1 Uhr nachts ging es dann los mit Starkregen, Blitz und Donner. Da mein Zelt direkt unter einem Baum lag, verdrückte ich mich auf das nächstgelegene Scheißhaus, da es über einen Blitzableiter verfügte. Fast eine Stunde stand ich da bei offener Türe, bis es schließlich einigermaßen aufgehört hatte zu regnen und der Zeltplatz hoffnungslos unter Wasser stand.

    Da hatte ich genug und beschloß, am nächsten Tag über Encón nach Caucete zu radeln. Die Strecke lag zwischen der Pampa de las Salinas und der Pampa Salado. Zwischen dem Nationalpark und Encón war wirklich nichts, kein Haus, 95 km nur Wüste und Prärie. Überall waren immer wieder weiße Salzablagerungen bzw. Verkrustungen und kleine Sanddünen zu sehen (alles in allem eine ziemlich triste Ödnis).

    In Caucete campte ich auf dem städtischen Campingplatz, nicht gerade einladend aber umsonst. Die Vororte um San Juan, incl. Caucete stimmen einen nachdenklich. Beinahe jedes Fenster und jede Türe ist vergittert. Läden kann man meist nicht betreten, sondern muss durch Scheibe oder Gitter sagen was man möchte. Eine hohe Kriminalitätsrate macht dies wohl nötig. Die Umweltverschmutzung nimmt um San Juan auch unglaubliche Ausmaße an, viele wilde Müllkippen und nichtgeklärte Abwässer, dass es nur so zum Himmel stinkt. Auch durch San Juan bin ich nur schnell durchgeflitzt und habe nicht viel Zeit verbracht, weil ich mich da nun wirklich nicht wohl fühlte.

  • Argentinien, Sierra de San Luis

    Nach einer Nacht in Lafinur ging es direkt wieder auf den RN20, Richtung Quines. Da ich aber in die Sierra de San Luis wollte, bog ich rechtzeitig links ab. Der Aufstieg ist auf der Nordseite über die RP2 wesentlich schöner, direkt an einem kleinen Fluss entlang (hier konnte ich Papageien beobachten).  Es ging über die Dörfer San Martin, Villa de Praga und Las Chacras zu den Cerro Largos. Alles in allem verschlafene Dörfer, in denen zur Zeit der Siesta, keine Menschenseele zu sehen ist. Die ganzen Dörfer werden mit Wasser aus einem kilometerweiten Aqueduct versorgt, das bei meiner Durchreise wohl einige Probleme hatte, immerhin ergab sich so eine Dusche am Wegesrand. Am Wegesrand gibt es auch viele Gifttiere, also Schlangen und Spinnen (hier vor allem tausende schwarzer Witwen) von denen man sich in Acht nehmen muss. Vor allem die Leitplanken sind voller Spinnen, keine gute Idee sich da mal draufzusetzen.

    Am Fuße der Cerro Lagos konnte ich wild campen, wenn auch nahe der Straße, aber da fährt eh ganz selten jemand vorbei, also war alles ziemlich ruhig und friedlich.

    Fahrradwege sind selten, so selten, das man sie dokumentiert haben muss. Meistens sind sie im schlechten Zustand und nur einige hundert Meter lang, dafür liegen sie oft im Schatten der Bäume. Zu erwähnen sind auch die unzähligen kleinen Schreine zu Ehren der Difunta Correa (man findet die Schreine übrigens landesweit). Oft mit Wasserflaschen überfüllt, erinnern sie an das Schicksal einer Frau, die mit ihrem Säugling durch die Wüste marschierte und verdurstete. Der Säugling wurde, nach der Legende zufolge, noch lebend an ihrer Brust gefunden und von einigen Gauchos gerettet. Seit diesem Wunder, gilt sie als Schutzpatron der Reisenden und wird mit Geschenken und der Darbringung von Wasser vereehrt.

    Am nächsten Tag besuchte ich die Inti Huaca Grotte (war jetzt nicht sooo spektakulär) und das ehemalige Bergarbeiterdörfchen La Carolina. Die Fahrt war wirklich die Hölle, starker Nord-Westwind mit bis zu 60kmh machte schon das Einpacken des Zeltes zu einer Herausforderung. Nach La Carolina verwandelte sich der Seiten- und Gegenwind zu einem wunderbaren Rückenwind (feine Sache). Dannach ging es an den Abstieg, am Embalse Rio Grande und Embalse La Florida entlang, mit teilweise sagenhaften 67km pro Stunde.

    Durch San Luis wollte ich jetzt nicht unbedingt durchfahren und entschied ich dazu, stattdessen über El Volcan und Potrero de Los Funes zu fahren. Nördlich vom Embalse Potrero de Los Funes, um den übrigens auch eine Rennstrecke verläuft, könnte ich unterhalb einer Böschung wieder mein Zelt aufschlagen.

     

     

     

  • Argentinien, Córdoba – Los Tuneles

    Vom Nationalpark Quebrada del Condorito ging es nach einer phänomenalen Abfahrt nach Mina Clavero. In Mina Clavero wurden die Vorräte aufgestockt und sogleich das fruchtbare Plateau zwischen Ambul und Pocho ins Visier genommen. Das Ziel waren die immer noch auf über 1000m liegenden Los Tuneles. Dieser Umweg, immerhin hätte ich in Mina Clavero schon nach Süden fahren können, hat sich wahrlich gelohnt. Es ging über eine windige, verschlungen und mit kurzen Tunneln versehenen Strecke über 900m bergab. Die Strecke war durch die vielen Gewitter nass, ausgewaschen und teilweise matschig geworden, aber noch gut passierbar.

    Die anschließende 90km Sandpiste nach Villa Dolores hatte es in sich, es war anstrengend in der Hitze sich durch den Dreck zu wühlen (Die Truthahngeier kreisten schon über mir)! Immer wieder weggerutscht, eingesunken und sogar den ersten Platten gehabt. Morgen geht’s in die nächste Sierra, nach Süden.

     

  • Argentinien, Santa Fe und Córdoba

    Vom Pre Delta Nationalpark ging es schleppend mit viel Gegenwind über die hügelige RP11 nach Paraná, dort gab es keine Brücke, sondern nur einen Tunnel, der zudem für Fahrräder nicht passierbar ist. Aber Dank des Abschleppdienstes vom Subflavial-Tunnel, konnte ich ohne Probleme übersetzen und mich anschließend durch Santa Fe’s wuseligen Verkehr durcharbeiten. Stetiges Stop and Go, incl. dem unfreiwilligen Inhalieren von Bremsbelägen und Abgasen. Schließlich entschied ich mich eher intuitiv für den RN 19 Highway, der im Endeffekt eine sehr gute Wahl war (Mautstraße, mit breitem Seitenstreifen und relativ wenig Verkehr), abgesehen von den aufgesprühten Mahnmalen totgefahrener Fahrradfahrer).

    Die Ebene südlich der Laguna Mar Chiquita ist relativ flach, mit einer nur unmerklichen Steigung, alles ziemlich gut zu fahren. Leider bietet die Landschaft nur wenig Abwechslung, aber man kann beobachten, daß es wesentlich trockener wird. Sonst das Übliche: Den Rindern beim Grasen zusehen. In San Jeronimo del Sauce (was für ein Name!) konnte ich Dank Carlos (einem ansässigen Musiklehrer), auf dem städtischen Sport- und Freizeitbereich nächtigen. Hier hatte ich auch einen Hund als Gesellen, der mich (die Futterquelle), gegen einige Häppchen Entlohnung beschützte.

    Kurz vor San Francisco, bog ich nach Südwesten ab, verließ somit den RN 19 und schlug mein Lager in Colonia Prosperidad auf. Am nächsten Tag, ging es über Villa del Rosario und Costasacate Richtung Alta Garcia. In Costasacate marschierte ich blindlings in die örtliche Schule, um höflichst zu fragen, ob es einen Fleck im Ort gäbe, wo ich mein Zeltchen für eine Nacht aufschlagen könnte. Mehr brauche ich ja eigentlich nicht. Die Kinder (es war wohl gerade Pause) waren erstaunt, erfreut und überrascht, daß ein Deutscher auf dem Fahrrad einfach mal so auftaucht um guten Tag zu sagen. Vanesa, eine Lehrerin, die zudem hervorragend Englisch sprach, konnte mir weiterhelfen und schaltete Oswaldo ein, einem freiwilligen Feuerwehrmann und für das Dorf tätigen Angestellten. Tja und dann wurde ich offiziell Willkommen geheißen, hatte ein Dach über den Kopf, gutes Essen, gute Gesellschaft und es wurde alles getan, damit es mir gut erging. Nochmals Danke, einfach tolle Menschen! Des Weiteren lernte ich die argentinische Erfindung und Spezialität „Dulce de Leche“ kennen, einfach nur lecker!

    In Alta Garcia durchstreifte ich die Stadt, nahm mir die Zeit um alles anzuschauen, vor allem beeindruckte mich das kleine Museum Casa del „Che“ Guevara. Wer hätte gedacht, das Che Guevara mit dem Fahrrad einen nicht unerheblichen Teil Argentiniens bereist hat (okay es hatte einen kleinen Hilfsmotor, aber trotzdem beeindruckend).

    Dann über den Berg Santa Rita gehüpft und am Stausee Embalse Los Molinos entlang nach Villa General Belgrano. Was ich von Villa Belgrano halten soll, nunja, die Avenida San Martin als Deutscher entlang zu radeln hat schon etwas Durchhaltevermögen abgefordert (alles ziemlich zuviel, der deutsche Kitsch brennt irgendwann in den Augen und Ohren – am Ende der Straße gibt es ein Restaurant, das unablässig und in Endlosschleife deutsche Heimatschnulzen dudelt), aber die Argentinier fahren voll darauf ab! Entgegen vieler Reiseführer, wird, wie auch in La Cumbrecita, noch viel Deutsch gesprochen. In La Cumbrecita (toller Ort, die schönere Villa General Belgrano Variante) lernte ich noch Susanne und Ricardo kennen, die mir ein paar meiner letzten Euros gegen Pesos tauschten und mich prompt bei sich zu Hause einluden, was für ein Glück!

    Die letzte Station war der wunderschöne Nationalpark Quebrada del Condorito auf knapp 1900m Höhe. Auf dem Weg dorthin verfolgte mich schon ein großes Gewitter (geht hier blitzschnell, das sich etwas zusammen braut). Schließlich holte es mich ein, gerade kurz vor dem Aufstieg. Eine Kurve später kam mir, welch Zufall, das letzte Restaurant auf der Strecke entgegen. Tja, dann folgte zwei Stunden lang ein heftiges Gewitter mit Starkregen und ich saß währenddessen im Trockenen und aß in aller Ruhe zu Mittag. Als der Regen nachlies, radelte ich hoch auf den Gipfel zum Nationalpark, wo schon wieder die Sonne schien (wieder Schwein gehabt) .